Thema: Smarte Diagnostik

Einführung

Smarte Diagnostik

Wenn die auf Microarray-Anwendungen spezialisierte Firma Scienion zum Workshop Diagnostics 5.0 einlädt, dann überrascht es kaum, dass die Mitte September in Berlin vorgestellten Technologien fast durchweg auf eben solchen Microarrays basieren. Nicht zuletzt die über die Jahre stetig wachsende Besucher- und Ausstellerzahl der Veranstaltung zeigt aber, dass Scienion offenbar einen Wachstumsmarkt bedient. Bei allgegenwärtigen Themen wie HIV, Ebola, Krebs oder multiresistente Keime ist das allerdings auch kein großes Geheimnis.

Derzeit sorgt Scienions Partner Quantumdx aus Newcastle für Furore in Großbritannien. Die Nordengländer stellen ein batteriebetriebenes Handgerät für die Point-of-care(POC)-Diagnostik her. Das Gerät enthält die Reagenzien für eine sequentielle Fluss-PCR in lyophylisierter Form. Sogenannte Nanowires detektieren die Amplifikate. Quantumdx beschickt die Nanodrähte mit den Hybridisierungsproben dabei mit Scienions Dispensiergeräten. Da die Entwicklung der Firma gerade Fahrt aufnimmt, haben sich Quantumdx und Scienion im Sommer darauf verständigt, die Entwicklungspartnerschaft zu erweitern. Um in die Massenproduktion zu gehen, werden künftig ein paar mehr Berliner Geräte in Newcastle benötigt.

In naher Zukunft will Quantumdx laut CEO Elaine Warburton an die Börse gehen. Als Vorbild führt sie eine „belgische Diagnostikfirma“ an, bei der es sich wohl um Biocartis handeln dürfte. Ihr gelang im April ein IPO, der 100 Mio. Euro einbrachte. Biocartis ist an der Euronext Brüssel gelistet. Dort will übrigens auch die Curetis AG in Holzgerlingen hin. Mitte Oktober gab die Firma die Pläne zum Börsengang bekannt. Branchenexperten schätzen, dass die schwäbischen Molekulardiagnostiker, deren Unyvero-System bei der Detektion übrigens auch auf einer Microarray-Lösung basiert, zwischen 37,5 Mio. Euro und 60 Mio. Euro einnehmen könnten. Die drei Firmen liegen damit im Trend der automatisierten Prozessabarbeitung im molekularbio­logischen Labor. Zu den Vorteilen zählen eine standardisierte Qualität, die Befreiung des Personals von repetitiven Arbeiten und niedrigere Kosten pro Test. Neben den kleinen Firmen tummeln sich auch verdiente Recken wie Abbott, Qiagen, Roche oder Siemens auf dem Markt. Allein für den Bereich Nukleinsäuretestung kam die Fachzeitschrift Trillium Diagnostik im Frühjahr 2015 auf die Rekordzahl von insgesamt 20 Komplettsystemen, die momentan erhältlich sind. Die Vielfalt ist enorm: PCR-basierte oder isothermale Amplifikation, Einzel- oder Multiplexlösungen, qualitative oder quantitative Ergebnisausgabe, modulares oder integriertes System, Reagenz-offener oder -geschlossener Aufbau etc. Die Liste enthält derzeit nur Tisch- und Standgeräte. Die vielerorts aufkommenden Handgeräte – wie das von Quantumdx – dürften den Markt noch einmal kräftig durcheinanderwirbeln.

Schnelle Diagnose bei Herzinfarkt

Ein anderes Handgerät, über das auf dem Workshop in Berlin gesprochen wurde, stammt von Philips Handheld Diagnostics. Im Vergleich zu Quantumdx‘ Q-POC kommt Philips Minicare ohne Amplifikationsschritt und Microarray aus. Bei der zugrundeliegenden Magnotech-Technologie binden die Zielmoleküle sowohl an Magnet­partikel als auch an eine aktivierte Oberfläche. Die per Magnet zu jener Oberfläche gezogenen Zielmoleküle werden dort optisch nachgewiesen. Das Ganze soll laut Philips von der Entnahme eines Tropfen Bluts bis zum Ergebnis 10 Minuten dauern. Der Point-of-care bei diesem Produkt ist die Notaufnahme im Krankenhaus. Philips zufolge könnten hier eintreffende Patienten bei Herzinfarktverdacht künftig sofort auf ihren Troponin I-Spiegel getestet werden. Ohne den Umweg über das Labor werde mindestens eine Stunde bis zur Diagnosesicherheit eingespart. Der Markteintritt in der Benelux-Region soll kommendes Frühjahr erfolgen. Deutschland könnte Mitte 2016 folgen. Dass Philips mit seiner Plattform noch viel vorhat, zeigt eine im Frühling beschlossene Kooperation mit Janssen. Die beiden niederländischen Firmen wollen den Minicare-Test auch für neuropsychiatrische Leiden nutzbar machen.

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5/2015

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