Thema:

Einführung

Raum für Kommunikation

Labor ist nicht gleich Labor. Die Konzeption eines für spezielle Verwendungszwecke eingerichteten Labors ist eine äußerst vielschichte Angelegenheit. Die Parameter – von der Architektur bis zur Müllentsorgung – sind vielfältiger als man zunächst denken mag. Open Innovation wird in Forschung und Entwicklung dieser Tage großgeschrieben. Kooperation ist das Stichwort. Für komplexe Forschungsaufgaben ist interdisziplinäre Teamarbeit unerlässlich. Doch „offen sein“ bedeutet nicht nur den Austausch von Expertise und das Teilen von Daten. In der Planung und Einrichtung eines jeden Labors muss Raum für Kommunikation – in physikalischer wie auch in ideeller Hinsicht – integraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes sein.

Der Markt für Laboreinrichtung ist ein Milliardengeschäft. Der Gesamtumsatz in Deutschland mit Labortechnik wächst – allerdings nur langsam. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Branchenverbandes Spectaris 6,3 Mrd. Euro Gesamtumsatz mit Produkten für Analysen-, Bio- und Labortechnik erzielt. Die Anforderungen, die Laborbetreiber an die Technik, an die Einrichtung und an das Design stellen, nehmen indes rapide zu. Auch die immer detaillierter werdenden rechtlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen an Sicherheit und Nachhaltigkeit in Forschung und Entwicklung stellen Planer vor neue Herausforderungen. Die Entwicklung zur Automatisierung im Labor, der Wunsch nach besserer Vernetzung und mehr Raum für Kommunikation sowie interdisziplinäre Interaktion sind eindeutige Trends.

Labore sind heutzutage so divers wie die Forschungsbereiche selbst. Sie werden für öffentliche Nutzer, den privaten Industriebetrieb und Dienstleister eingerichtet – zur Selbstnutzung oder zur Vermietung und damit einhergehend mit unterschiedlichsten Anforderungen. Wollen die einen perfekt auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene Labore, sind die anderen auf einfache Konzepte für die Nachnutzung angewiesen. Vor allem neue Firmen müssen mit dem auskommen, was ihnen etwa „Labore von der Stange“ bieten können. Was für das Labor gilt, trifft umso mehr auf die Einrichtung zu. Intuitiv bedienbare Geräte, modulare Systeme für Möbel und labortechnische Gewerke, Möglichkeiten mobiler Kontrolle und eine intelligente Versorgungslogistik besonders bei mangelndem Platz sind nur einige Beispiele. Ein Generalkonzept für die perfekte Planung und das optimale Management gibt es ohnehin nicht. Für das Design von Forschungsgebäuden werden deshalb im Vorfeld Computermodelle der Luftzirkulation erstellt. Die Auftraggeber können sogar mit 3D-Helmen virtuelle Besichtigungen ihrer künftigen Wirkungsstätte durchführen. Wer es sich leisten kann, lässt sich 1:1 Modelle bauen, um Abläufe im Labor zuvor aufwendig zu studieren. Zwar kochen die Großen wie auch die Kleinen nur mit Wasser, aber manchmal kommt es eben auf den Herd an. Gerade für Start-ups, die nicht zwangsläufig auf Erfahrung zurückgreifen können, ist die Einrichtung eines Labors deshalb ein schwieriges Unterfangen. Neue Unternehmen sind zumeist auf die Unterstützung erfahrener Laborausrüster angewiesen.

Es ist ebenso schwierig, Labortypologien zu charakterisieren, die etwa den Planern als Leitfaden dienen könnten. Laborexperte Christoph Heinekamp zieht im „Handbuch für nachhaltige Laboratorien“ einen passenden Vergleich: „Labore für Naturwissenschaften sind ein Abbild der Natur – scheinbar unendlich komplex und im Detail einfach organisiert. Sie sind völlig unterschiedlich und sie entstehen doch nur aus der Summe von einfach strukturierten Arbeitsplätzen.“ Diese sind unter anderem Labortisch-arbeits- und Geräteplätze, Chemiearbeitsplätze mit Abzug und Gefahrstofflagerung, Plätze mit Produkt- und Personenschutz, Sicherheitswerkbank und Dokumentationsarbeitsplätze. Zu diesen kommen die einzelnen Komponenten der Labortechnik hinzu: Einrichtung, Abzüge, Sanitärisinstallationen und Elektroversorgung. Die Notduschen und alle Elemente für Rein-, Sicherheits-, und Sonderräume.

Labore mit Wohlfühl-Faktor

Auch soziologische Aspekte sind wichtig: Forscher verbringen mitunter einen großen Teil ihres Lebens in Laboratorien. Daher spielen heutzutage Design und Raumgestaltung  eine wichtige Rolle. Diese sollten nicht nur die Kommunikation fördern, die für komplexe Forschungsarbeiten mit interdisziplinärem Charakter essentiell ist. Es geht auch um das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Kommunikation und Sicherheit im Labor seien kein Widerspruch, heißt es von Laborplanern. Kurze Wege, ein spannungsvoller Wechsel zwischen räumlicher Dichte und Weite und Funktionsdurchmischung zur Förderung der Kommunikation lassen sich in Einklang bringen mit kompakten, wirtschaftlichen und nachhaltigen Laborgebäuden. Ein neuer Studiengang namens „Kommunikation im Raum“ der Fachhochschule Mainz wurde eingerichtet, weil die wirtschaftliche Bedeutung, die allein hinter der architektonischen Gestaltung des Raums steckt, in den vergangenen Jahren enorm zugenommen hat. Heutzutage kommen natürlich zahlreiche digitale Medien hinzu, die Vernetzung und Informationsaustausch enorm erleichtern: Sicherheitstrainings, die E-learning mit Präsenzunterricht verknüpfen, digitale Laborbücher oder die mobile Vernetzung via App mit dem automatisierten Labor.

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