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Expertenpanel

Biobasierter Wandel

Die Entwicklung der Bioökonomie ist nicht nur auf der Biotechnica in Hannover ein zentrales Thema. Auch die Europäische Kommission und die Bundesregierung haben unlängst Unterstützung bei dem ambitionierten Unterfangen signalisiert, eine biobasierte Wirtschaft aufzubauen. Die Kommission legt gemeinsam mit Unternehmen aus verschiedensten Branchen ein 3,8 Mrd. Euro-Innovationsprogramm auf, die Bundesregierung unterstützt den Wandel politisch.

LABORWELT:

Wo liegt der Nutzen des neuen EU-Bioökonomie-Public Private Partnerships JTI BBI für KMU?

Albrecht Läufer:

Die Joint Technology Initiative BioBased Industries (JTI BBI; www.bridge2020.eu) wird von dem Bioindustry Consortium BIC mit europaweit inzwischen 48 Mitgliedern – Tendenz steigend – angetrieben. Rund 3,8 Milliarden Euro sollen von 2014 an innerhalb von sieben Jahren Förderzeitraum investiert oder für Forschung ausgegeben werden. Der Nutzen dieser Organisationsform eines EU-Fördervorhabens für KMU ist auf drei Ebenen zu sehen:

1. Der rein monetären: Selbst ein kleiner Teil dieser großen Summe kann für ein KMU wesentlich sein, um Innovationen soweit voranzubringen, dass die Großindustrie sie einkauft oder gemeinsam weiterentwickelt.

2. Der Ebene der Praxisnähe: da die Forschungsagenda des PPP in einem mehrstufigen Verfahren – Sammlung von Beiträgen, Verdichtung, Diskussion auf vielen Treffen – erstellt und dann noch unabhängig begutachtet wird, kann sich das KMU sicher sein, dass das Thema seiner F&E in der ersten Liga angesiedelt ist.

3. Die Ebene der Förderfähigkeit und Attraktivität für Investoren: Ebenso wie bei Punkt 2 kann man als KMU ziemlich sicher sein, dass auch nationale oder regionale Fördermittelgeber und selbst Investoren sich an der Agenda eines so umfangreich durchdachten Vorhabens orientieren, letztere zumindest im Ausschlussverfahren – was nicht beim PPP auf der Agenda steht, ist möglicherweise weniger attraktiv.

Übrigens: Man muss nicht unbedingt direkt teilnehmen, sondern kann sich durch ein Cluster, in dem man Mitglied ist, vertreten lassen, CLIB2021, und nun auch die IBB Netzwerk GmbH sind Mitglied im BIC. 

LABORWELT:
Welche Aufgaben stellt die Bioökonomie der Politik?

Holger Zinke: 
Die im Juni 2013 von der Bundesregierung beschlossene „Politikstrategie Bioökonomie“ zeigt, dass Bioökonomie mehr ist als Forschung und Technologie oder Rohstoffe und Verwertung. Der Bioökonomierat hatte in seinem Gutachten von 2010 als zentralen Punkt empfohlen, Bioökonomie als System zu begreifen und die Vernetzung und Komplexität des Themas zu antizipieren. Tatsächlich sind die Herausforderungen nicht zu unterschätzen: Es geht um einen Wechsel der Hauptrohstoffbasis ganzer Industrien und damit einen Wandel ganzer Wertschöpfungsketten, in dem nicht nur Unternehmen, sondern ganze Volkswirtschaften im Wettbewerb stehen.

So sind die Bioökonomie-Ambitionen von Brasilien oder auch Argentinien bemerkenswert, der im April 2012 veröffentlichte „National Bioeconomy Blueprint“ der Obama-Administration setzt ebenfalls ambitionierte Ziele. Er schließt richtigerweise auch die in den USA starke Rote Biotechnologieindustrie explizit ein. Die biologische Revolution hat die US-Industrie massiv gestärkt, die Apotheke der Welt konnte nicht profitieren – kaum jemand erinnert sich nach 15 Jahren noch an den Begriff. Bioökonomie ist also richtigerweise Industriepolitik geworden.

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4/2013

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http://www.laborwelt.de/spezialthemen/biotechnica/biobasierter-wandel.html

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