DASGIP GmbH

Parallelbetrieb fürs Zell-Labor
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Parallelbetrieb fürs Zell-Labor

Im Leben von Thomas Drescher gibt es viele Parallelen. Zum Beispiel, wenn er im Parallelschwung am österreichischen Arlberg die Piste hinabjagt. Drescher ist passionierter Skifahrer und Segler und lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in der Nähe von Jülich. Doch auch das Geschäftsmodell seiner Firma setzt auf Parallelität von Bioreaktorsystemen.

Der Düsseldorfer, Jahrgang 1960, ist Gründer und Mitglied der Geschäftsführung beim Jülicher Bioreaktorsystem-Spezialisten DASGIP. Drescher studierte an der RWTH in Aachen Maschinenbau und promovierte auch dort. In Aachen lernte er Matthias Arnold und Falk Schneider kennen. „Seitdem sind wir befreundet und unternehmerisch miteinander verbandelt“, sagt Thomas Drescher. 1991 wurden aus Ingenieurs-Kollegen und WG-Mitbewohnern Firmengründer. Die Anfangsbuchstaben der Nachnamen des Gründertrios formen den ersten Teil des Firmennamens.

Heute ist aus der Jülicher Firma ein mittelständisches Unternehmen mit 70 Mitarbeitern geworden. Der Spezialanbieter für parallele Bioreaktorsysteme mit Volumina bis zu fünf Litern und die dafür nötigen Software-Lösungen hat eine US-Niederlassung in Shrewsbury und erzielte 2011 einen Umsatz von 13 Millionen Euro. Die Produkte von DASGIP bei Pharmaherstellern und Biotechnologen weltweit gefragt. Sie werden im Labor eingesetzt, um zelluläre Expressionssysteme zu optimieren.


Von der IT zur Biotechnologie

Gestartet war die Firma als IT-Unternehmen. „Einige Jahre später kam dann der Quereinstieg in die Biotechnologie“, erinnert sich Drescher. Damals bekamen die Ingenieure vom Jülicher Forscher Christian Wandrey den Auftrag, eine Software für einen computergeführten Mikroben-Fütterungsautomaten zu entwickeln. „Ab da hat uns das Thema in den Bann gezogen“, sagt Drescher. Zumal dieses Projekt einen hübschen Nebeneffekt hatte: Der Prototyp wurde seinerzeit an die Bayer AG vermietet, das garantierte den Jülichern nicht nur jede Menge Feedback von industriellen Anwendern, sondern auch eine monatliche Miete von 10.000 Mark. „Das Geld haben wir dann investiert, um Wellnesscenter für Mikroorganismen und Zellkulturen weiterzuentwickeln“, sagt Drescher. Dabei haben die Ingenieure konsequent auf moderne Mikroelektronik und Software-Entwicklung gesetzt. Und natürlich: Auf Parallelität. 4, 8, 12 oder 16 Bioreaktoren werden zusammengeschaltet und mit Software-Tools gesteuert und kontrolliert. Das Interesse der Pharma-und Biotech-Branche an den kleinen Reaktoren ist in den letzten sieben Jahren spürbar gestiegen. Für Drescher können die DASGIP-Geräte auch ihren Beitrag auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin leisten: „Für die autologe Medikamentierung von Patienten brauche ich keine 250 Liter Bioreaktoren, sondern Einheiten für 3 bis 4 Liter“, sagt er.


Als Eppendorf-Tochter auf Expansionskurs

Drescher selbst ist bei DASGIP für Finanzen, Vertrieb und Administration zuständig. Sein Geschäftsmodell ist offenbar so attraktiv, dass im Januar 2012 der Laborausrüster Eppendorf zulangte. Über finanzielle Details zur Übernahme herrscht Stillschweigen. Doch nun ist das Jülicher Unternehmen DASGIP ein Mosaikstein in einem 2 600 Mitarbeiter starken Konzern, an dessen Spitze Eppendorf-Chef Dirk Ehlers steht. „Das fühlt sich in der Summe gut an“, sagt Drescher, „jetzt können wir auf unserem Wachstumskurs nochmal mächtig Gas geben“. Für das Gründerteam sei ganz entscheidend gewesen, auch nach der Veräußerung unternehmerisch tätig zu bleiben. „Eppendorf gibt uns diese Spielräume“, unterstreicht er. Der Standort in Jülich soll sogar noch weiter wachsen, erst im vergangenen Jahr wurde die Firmenzentrale durch eine zusätzliche Produktionshalle erweitert. „Und doch wird es unter dem neuen Eppendorf-Dach auch anders“, sagt Drescher. Gerade was die Eroberung der asiatischen Märkte angeht, soll der neue Mutterkonzern einen Schub nach vorne bringen. Bisher sind die Jülicher vor allem in Europa und Nordamerika präsent. Derzeit arbeiten Drescher und sein Team vor allem auf die Achema im Juni in Frankfurt hin. Dort wird das erste gemeinsam entwickelte Produkt vorgestellt - ein Mini-Bioreaktor für den Einmalgebrauch.

www.biotechnologie.de / Philipp Graf

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