Das Erbgut zusammenhalten
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Porträt

Das Erbgut zusammenhalten

Es ist kein Geheimnis: Deutsche Universitäten würden gerne viel mehr exzellente deutsche Wissenschaftler aus dem Ausland nach Deutschland zurückholen. Bei Katrin Paeschke hat es geklappt: seit Februar forscht die Biochemikerin nicht mehr an der Princeton University in New Jersey, sondern im Biozentrum an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg in Unterfranken.

"Es gefällt mir schon sehr gut hier, die Lebensqualität ist sehr hoch", sagt die 32-Jährige, die für ihre Arbeit über die Stabilität der DNA vor kurzem mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgezeichnet wurde.

„Mit dem Preis hatte ich gar nicht gerechnet", sagt Paeschke, die am Biozentrum der Universität Würzburg eine eigene Arbeitsgruppe aufbaut. Dafür wird sie mit dem Emmy-Noether-Programm der DFG mit rund 1,4 Millionen Euro gefördert. Im Zentrum ihrer Forschung steht das menschliche Erbgut, insbesondere viersträngige Strukturen, die G-Quadruplex-Strukturen genannt werden. Es wird vermutet, dass diese Strukturen für die Stabilität der DNA an den Enden der Chromosomen, den Telomeren, verantwortlich sind. Wenn das Erbgut instabil wird, kann das verheerende Folgen für die Zelle und den Gesamtorganismus haben. Paeschke untersucht in diesem Zusammenhang unter anderem die Rolle des Enzyms Telomerase, das besonders in Krebszellen sehr aktiv ist. Insbesondere will Paeschke die Interaktion von G-Quadruplex-Strukturen mit Proteinen wie Telomerase zeigen.

„Langweilig wird es wirklich nicht", sagt sie und lacht. Woher die Energie für all das kommt? „Der Wissensdurst ist es, der mich jeden Tag ins Labor zieht und einen Versuch auch zum zehnten Mal machen lässt, wenn es sein muss." Schon als Kind hat die 1979 geborene Paeschke gerne gebastelt und „geforscht", wie sie erzählt. Und dann war da noch der Keller des Großvaters. Der war Chemiker bei Henkel und hat das Interesse an den Naturwissenschaften gefördert. „Richtig Blut geleckt habe ich dann im Biochemie-Studium“, sagt Paeschke. Nach dem Grundstudium der Biologie an der Universität Bonn wechselte sie in die Biochemie an die Universität Witten/Herdecke und promovierte dort am Institut für Zellbiologie.Obwohl sie noch jung ist, gilt Paeschke als eine der Experten auf dem Gebiet der G-Quadruplex-Strukturen. Die Biochemikerin machte diese Strukturen zum Thema ihrer Promotion. Veröffentlichungen aus ihrer im Jahr 2006 entstandenen Dissertation sind vielzitiert und die DFG-Juroren bezeichnen die Arbeit als "Meilenstein" auf diesem Gebiet. Seitdem ist die Forscherin wenig zur Ruhe gekommen. Einen Monat nach der Promotion ging es bereits in die USA, an das Institut für Molekularbiologie der Princeton University. Dort widmete sich Paeschke der Bedeutung von G-Quadruplex-Strukturen für die eukaryotische DNA-Replikation am Modellorganismus Bäckerhefe. Mit der eigenen Gruppe in Würzburg plant sie nun, das in der Hefe gewonnene Wissen auf den Menschen zu übertragen und in einen krankheitsrelevanten Zusammenhang zu bringen.

In Würzburg ist sie erst seit Februar 2012. Zu kurz, um schon einmal eines ihrer Lieblingshobbys ausprobiert zu haben. Paeschke ruderte lange Zeit auf Vereinsebene und vielleicht war der Main ja einer der Gründe, nach Würzburg zu wechseln. Die Stadt und die Umgebung gefallen der sportlichen Frau aber auch sonst sehr gut. Mit ihrem Mann war sie schon wandern und hat mit dem Fahrrad die Hügel Unterfrankens erkundet. Stefan Juranek ist zusammen mit seiner Frau nach Würzburg gewechselt und war zuvor in der Gruppe von Thomas Tuschl am Howard Hughes Medical Institute der Rockefeller University, wo er nicht-kodierende RNA-Moleküle und RNA-bindende Proteine untersuchte.

Paeschke ist mit ihrer Entscheidung nach Deutschland zurückzukehren bisher zufrieden, auch wenn einige Dinge hier anders sind als in den USA. „Dort sind viele Sachen schneller und einfacher organisiert, hier ist mehr Vorbereitung notwendig", sagt die Forscherin. „Allerdings gefällt es mir, dass hier Studenten früher in Großpraktika eingebunden werden und damit schneller Kontakt zu den Labormitarbeitern und -leitern erhalten.“ Und nicht zuletzt ist es die Lebensqualität, mit der Würzburg punktet. „Hier genießen die Menschen die Sonne in den Cafes, und man kann sich auch einmal auf ein Glas Wein treffen, ohne über die Arbeit zu sprechen. In den USA ist das schwieriger."

Arbeiten wird Paeschke trotzdem viel. Denn sie hat ein großes Ziel: „In den nächsten fünf bis zehn Jahren will ich mehr über die Funktion der G-Quadruplex-Strukturen herausfinden. Ich könnte mich aber auch gut mein ganzes Leben damit beschäftigen. Spannend genug ist es auf jeden Fall." Im Augenblick fließt viel Energie in den Aufbau der eigenen Gruppe. Eine Postdoc-Stelle ist noch zu besetzen. „Es wäre schön, wenn es mir gelingt, mehr Forscher zu motivieren, in die Arbeit an den G-Quadruplex-Molekülen einzusteigen."

www.biotechnologie.de / Christoph Mayerl

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