Jost Weber: Wasserstoff aus dem Bio-Tank
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Porträt

Jost Weber: Wasserstoff aus dem Bio-Tank

Als sich Jost Weber 1996 an der TU Dresden fürs Studium einschrieb, gaben die Freunde in der Heidelberger Heimat viele wohlmeinende Tipps: „Füll mal die Scheibenputzflüssigkeit nach, wer weiß ob es dort so was gibt!“ war einer davon. Der Weg von der renommierten westdeutschen Universitätsstadt in den tiefsten Osten schien ein Wagnis, nur drei Prozent der Studierenden an der TU Dresden kamen damals aus den alten Bundesländern.

„Damals gab es das Fach Bioverfahrenstechnik nur an drei oder vier Universitäten in Deutschland“, erklärt Weber. „Ich bin zum Tag der offenen Tür nach Dresden gefahren und die Uni hat mich überzeugt. Außerdem war ich neugierig. Ich wollte herausfinden, wie die Sachsen so ticken!“ Elbflorenz überzeugte – der 38-jährige ist immer noch da und inzwischen Projektleiter einer Dresdner Nachwuchsforschergruppe zur biotechnologischen Gewinnung von Wasserstoff. Das Projekt wird vom Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.

Wasserstoff ist ein Energieträger, der scheinbar die Lösung für alle Probleme der Zukunft bildet. Verbrennt man ihn mit Sauerstoff, entsteht einfach nur Wasser - ein wesentlich angenehmeres Abfallprodukt als das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid, das gelagert oder anderweitig unschädlich gemacht werden muss. Die Herausforderung besteht darin, Wasserstoff biogen, also auf der Basis natürlicher Ressourcen, zu produzieren. Es gibt Ansätze mit Purpurbakterien und Grünalgen, die unter Stickstoffmangelbedingungen und mit Hilfe von Licht Wasserstoff produzieren. Die Herausforderung besteht in der Sauerstoffempfindlichkeit der Bakterien und darin, sie in den großen Bio-Tanks mit ausreichend Licht zu versorgen.

Hauptsache interdisziplinär

„Das ist ein Wettrennen der Konzepte“, meint Weber. „Wasserstoff ist ein sehr kleines Molekül, das flutscht durch die Bakterien. Es hat eine sehr geringe Energiedichte und ist deshalb schwer zu speichern.“ Ursprünglich hat Weber zu einem anderen Thema geforscht, seine Promotion behandelt klassische Fermentationsprozesse wie die Proteinproduktion in rekombinanten Hefen. Nach der Promotion schlug ihm sein Doktorvater Thomas Bley vor, einen Antrag für das ESF-Projekt zu schreiben: „Eine spannende Geschichte“, sagt Weber. Vor allem habe ihn der interdisziplinäre Ansatz des Projektes gereizt: „Man sitzt nicht so allein oder auf ein Fachgebiet beschränkt da, sondern kann das Problem von vielen Blickwinkeln aus reflektieren.“

Interdisziplinäres Arbeiten war auch der Grund dafür, dass Weber überhaupt Bioverfahrenstechnik studiert hat. Zwar hatte er schon in der Schule seine Affinität zu Naturwissenschaften entdeckt und Biologie als Leistungsfach gewählt, doch war ihm schon damals die reine Biologie zu einseitig. „Ich wollte etwas machen, was sich zwischen Ingenieur- und Naturwissenschaften bewegt“, sagt er. „Mir gefällt das Mathematische, und Mechanik ist einfach schön und anschaulich. Mit einem Fach wie Bioverfahrenstechnik, bei dem man das gesamte mathematisch-naturwissenschaftliche Feld einmal quer durch bearbeitet, ist man breiter aufgestellt.“

Das aktuelle Projekt verlangt genau diese gesammelten Kompetenzen. Um den Wasserstoff biotechnologisch zu erzeugen, arbeiten Weber und sein Team an einem Verfahren, Grünalgen gemeinsam mit Purpurbakterien zu kultivieren. Die Grünalgen produzieren dabei auf Licht und Kohlenstoffdioxid Kohlenhydrate, welche die Purpurbakterien mit Hilfe von Licht in Wasserstoff umwandeln. Ein zweistufiges Verfahren, das zwei sehr empfindliche Systeme kombiniert. So sind die beteiligten Mikroorganismen extrem sauerstoffempfindlich. Eine weitere Zielsetzung des Projektes ist es, die Lichtzufuhr des Bioreaktors so weit zu optimieren, dass auch konventionelle Bioreaktoren genutzt werden können. Weber will dabei mit Sonnenlicht arbeiten – und hofft, innerhalb der zweijährigen Projektlaufzeit einen Prototyp entwickeln zu können, der skalierbar ist.Wie die Sachsen so ticken

Und die Sachsen? „Ich bin schon so lange da, ich bin fast selbst einer“, meint der Forscher. Nach Analyse des „passionierten Neustädters“ gibt es zwischen seiner Wahlheimat und seinen Landsleuten aus der Kurpfalz so einige Parallelen: „Ein sympathisches Völkchen“, meint der Forscher. „Stark heimatverbunden, ein bisschen reservierter und bodenständiger als meine Landsleute, aber sehr kommunikativ. Man kann nett mit ihnen zusammen sitzen.“ Die Residenzstadt an der Elbe hat er nach 16 Jahren lieben gelernt, schwärmt von der Mischung aus „sehr quirligen und sehr ruhigen Ecken“ und dem Dresdner Schauspielhaus. Die Stadt habe ihn zum Theatergänger gemacht, Weber schätzt die kleinen Programmkinos und besonders das Dresdner Umland. Am Wochenende erkundet er zu Fuß oder per Fahrrad die Sächsische Schweiz, das Osterzgebirge oder radelt die Elbe entlang. „Ob flach oder bergig, die Auswahl ist sehr groß“, sagt er. „Es gibt nichts Besseres.“

biotechnologie.de / Cornelia Kästner

http://www.laborwelt.de/menschen/portraets/jost-weber.html

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