Quelle: Katrin Binner / TU Darmstadt
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Heribert Warzecha: Impfstoffe aus Tabakpflanzen
Heribert Warzecha von der Technischen Universität Darmstadt hat eine Vision: Er will gentechnisch veränderte Tabakpflanzen zur Herstellung von Impfstoffen nutzen, um damit von Tieren übertragene Infektionskrankheiten zu bekämpfen.
Warzecha hat dabei Moskitos und andere tierische Überträger von Malaria und Borreliose im Visier, um den Ansteckungskreislauf zu unterbrechen. Die Vorteile der pflanzlichen Impfstoff-Fabrik liegen für ihn klar auf der Hand: Das Vakzin wird von den Tieren mit den Blättern oder den Blütennektar genüsslich verzehrt und ist zudem noch günstig herzustellen.
Die Impfstoff-Herstellung aus Pflanzen ist keineswegs nur eine Zukunftsidee: Ein in Tabakpflanzen hergestellter Impfstoff gegen die Newcastle-Seuche bei Hühnern wurde vor kurzem von der amerikanischen FDA zugelassen, die als eine der weltweit strengsten Arzneimittelbehörden bekannt ist. „In Pflanzen produzierte Impfstoffe sind für Massentierimpfung bestens geeignet. Die herkömmliche Herstellung durch Bakterien ist ein sehr aufwendiger und teurer Prozess,“ erklärt Heribert Warzecha, Professor für Plant Biotechnology and Metabolic Engineering an der Technischen Universität Darmstadt. „Im realen Leben rechnet man in Penny per dose - auch unser Impfstoff soll nur einige Cent kosten.“
Pflanzlich-basierte Impfstoffe gegen Malaria, Malta-Fieber und Borreliose
Warzechas jüngstes Projekt beschäftigt sich mit der Herstellung eines essbaren Impfstoffes gegen Malaria. „Wir planen, Malaria übertragende Moskitos zu ‚immunisieren’. Damit würde auch die Infektionsrate beim Menschen reduziert,“ erklärt der in Wiesbaden geborene Forscher. Das Team um Warzecha spürt nun als Impfstoff geeignete Proteine auf und testet sie auf ihre Wirksamkeit. Die lästigen Quälgeister sollen diese dann über den zuckerreichen Blütennektar oder Pflanzensäfte zu sich nehmen. Denn Moskitos trinken nicht nur Blut, sondern laben sich auch an Pflanzen. Die Bill & Melinda Gates Stiftung, die kreative Ideen und neue Ansätze zur Bewältigung von Gesundheitsproblemen in Entwicklungsländern unterstützt, fördern dieses Projekt mit 100.000 US-Dollar.
Doch Malaria ist nicht die einzige Krankheit, bei der sich eine Impfung über wirkstoffproduzierende Pflanzen anbieten würde. So beschäftigt sich der 42-jährige Pharmazeut auch mit dem Malta-Fieber, das von Bakterien übertragen wird und sowohl Menschen als auch argentinische Rinder befällt. „Die Folgen sind nicht zu unterschätzen: Malta-Fieber kann zur Beeinträchtigung vieler Organe wie dem Herzen, Niere und Leber führen,“ erklärt Warzecha. Als potenziellen Impfstoff haben die Wissenschaftler zwei Proteine mit den Namen OMP16 und OMP19 im Visier, deren genetische Bauanleitung zunächst in Tabakpflanzen eingebracht werden. In einem zweiten Schritt werden die Tabakblätter den Versuchstieren vorgelegt. Wenn es gelingt, das Malta-Fieber bei Rindern zu kontrollieren, hätten die Forscher nicht nur argentinische Rinderzüchter vor Verdienstausfällen bewahrt, sondern auch den Menschen einen Dienst getan, auf die der Erreger von den Wiederkäuern überspringen kann.
Forschungsergebnisse sollen Allgemeinheit zugute kommen
Warzecha und sein Team forschen auch an einer dritten Geißel der Menschheit, der Borreliose. Borreliose ist eine durch Zecken zwischen Mäusen weitergegebene Infektionskrankheit, die auch für den Menschen gefährlich sein kann. Hier sind die Arbeiten schon weit gediehen. „Wir machen momentan das Feintuning und arbeiten daran, ausreichende Mengen an Impfstoff in den Tabakpflanzen herzustellen“, so Warzecha. Der Forscher sieht großes Potenzial in diesem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus den USA beginnen die Darmstädter in Kürze damit, wilde Mäuse mit den gentechnisch veränderten Tabakpflanzen zu füttern.
„Sehr wichtig ist mir, dass die gentechnisch veränderten Tabakpflanzen nicht freigesetzt werden,“ betont Warzecha, der in Mainz Pharmazie studierte und promovierte. „Schließlich handelt es sich um Arzneistoffe, die – wenn auf normalen Felder ausgebracht – zur Verwechslung führen könnten.“ Warzechas Forschung findet demnach ausschließlich in den vier Wänden des Gewächshauses statt.
An die Vermarktung seiner Ergebnisse will der Familienvater indes nicht denken. „Ich bin Forscher mit Leib und Seele und würde nie Patente auf Forschungsergebnisse anmelden, die Menschen in Entwicklungsländern helfen können. Meine Forschungsergebnisse sollten besser der Allgemeinheit zur Verfügung stehen,“ so Warzecha, der auch zwei Jahre lang als Nachwuchswissenschaftler beim Pflanzenimpfstoff-Pionier Charlie Arntzen an der Cornell Universität (USA) gearbeitet hat.
www.biotechnologie.de / Andrea van Bergen










