Francis S. Collins: Meine Gene - mein Leben
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Meine Gene - mein Leben: Auf dem Weg zur personalisierten Medizin
Als am 26. Juni 2000 die Entzifferung des menschlichen Genoms verkündet wurde, standen zwei Männer neben Bill Clinton im East Room des Weißen Hauses: Craig Venter und Francis S. Collins. Ersterer ist berühmt, reich, zeigt gerne seine Brusthaare und hat schon lange eine Autobiografie geschrieben und veröffentlicht.
Collins ist so etwas wie das Gegenteil. Er ist fast noch wichtiger als Venter. Als langjähriger Direktor der National Institutes of Health ist er einer der mächtigsten Männer im US-amerikanischen Gesundheits- und Wissenschaftsbetrieb. Trotzdem wirkt er wie ein Hausarzt aus Idaho. Und das nicht nur wegen Button-Down-Hemd und Musterkrawatte. Collins ist bodenständig. Er erklärt die Möglichkeiten der personalisierten Medizin, als würde er Tipps zum Händewaschen geben. Dem Arzt Collins geht es um den Patienten. Was bringt Lieschen Müller das Wissen über eine Mutation im BRCA-1-Gen? Was hat meine DNA damit zu tun, dass ich einen Herzinfarkt bekomme oder an Diabetes erkranke?
Collins ist dabei optimistisch – die Wissenschaft wird vielen genetisch beeinflussten Krankheiten in Zukunft den Zahn ziehen –, aber auch einfühlsam. Immer wieder stößt er aus den luftigen Höhen des globalen Forschungsrennens herab und widmet sich dem Einzelfall. Nichts ist neu, doch als Haus- und Handbuch über ein Thema, das in aller Munde ist, aber selten so gründlich und unaufgeregt erklärt wird, sind die knapp 400 Seiten sehr brauchbar. Es ist noch nicht abschließend geklärt, warum diese Mischung aus Autorität und Bodenständigkeit eine angelsächsische Spezialität ist und in Deutschland entweder populär oder professoral geschrieben wird. Aber dafür gibt es ja Übersetzungen wie diese.
Francis S. Collins
Spektrum Akademischer Verlag,
Heidelberg, 2011
388 Seiten, 24,95 Euro
ISBN: 978-3-8274-2777-9











