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Fast genial
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Benedict Wells

Fast genial

Benedict Wells Romanheld heißt Francis und lebt mit seiner depressiven Mutter in einem Trailerpark in New Jersey. Die Zukunftsaussichten von Francis sind düster. Dann erfährt er, dass sein Vater ein berühmter Wissenschaftler ist und er das Produkt einer Samenvermittlung.

Die Geschichte ist vier Jahre älter als ihr Erzähler: Im Jahre 1980 gründete Robert Klark Graham eine Samenbank für Nobelpreisträger und andere Geistesgrößen. Natürlich in den USA. Der Mann war mit bruchfesten Brillengläsern reich geworden und nun von der Sorge zerfressen, dass sich die Schlauen zu wenig und die Dummen zu viel fortpflanzen. Also half er nach. Bis zu seinem Tod 1997, der auch das Ende seiner Elite-Samenbank bedeutete, wurden so 217 Kinder mit extrahohen Erwartungen ins Leben geschickt. 

Benedict Wells, deutscher Schriftsteller Jahrgang 1984, machte Grahams Projekt zum Ausgangspunkt seines Romans „Fast genial". Sein Held ist der spätpubertierende Träumer Francis, knapp 18, der mit seiner depressiven Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark in New Jersey wohnt. White Trash at it's best. 

Die Zukunftsaussichten des jungen Mannes sind reichlich trübe, bis er erfährt, dass er ein Produkt der legendären Samenvermittlung und sein Vater ein berühmter Wissenschaftler aus Harvard ist. Da gibt sich Francis einen Ruck und macht sich mit bestem Kumpel und angebetetem Mädchen auf zu einer Reise quer über den Kontinent, um in Kalifornien – wo früher die Samenbank der Genies ansässig war – seinen Vater ausfindig zu machen.

Für den Leser beginnt damit ein unterhaltsames Roadmovie im Kopf, das diejenigen ganz besonders genießen werden, die selbst als Twentysomethings mal durch die USA getourt sind. Figuren zum Mitbangen und überraschende Wendungen unterhalten bestens. Bezüglich des naturwissenschaftlichen Hintergrundes sollte man nicht allzuviel erwarten: Auf Seite 240 lässt der Autor einen seiner Protagonisten schließlich selbst zugeben, dass das Konzept der Samenbank der Genies in Zeiten von synthetischen Genen und Präimplantationsdiagnostik ziemlich antiquiert wirkt.

Benedict Wells

Fast genial

Diogenes Verlag, Zürich 2011
336 Seiten, 19,90€
ISBN 978-3257067897

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http://www.laborwelt.de/menschen/lesewelt/fast-genial.html

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