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Mit vollem Bauch auf Essenssuche
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Neurowissenschaft

Mit vollem Bauch auf Essenssuche

06.02.2017 - Gerade gab es Abendbrot, und doch schauen wir, was noch im Kühlschrank ist. Ganz normal, sagen Leibniz-Forscher. Sie haben erstmals den neuronalen Schaltkreis entdeckt, der uns auf die Suche nach Nahrung schickt – selbst wenn wir satt sind.

Mäuse haben Nahrung stets im Blick, selbst wenn sie gerade gefressen haben. Das fanden Forscher des Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin und dem Exzellenzcluster NeuroCure heraus und kamen sogar dem neuronalen Schaltkreis auf die Spur, der die Nahrungssuche aktiviert. Tatiana Korotkova und Alexey Ponomarenko zeigten im Fachjournal Nature, dass es sogenannte Gamma-Oszillationen sind, die diesen Mechanismus im lateralen Hypothalamus organisieren. Gamma-Oszillationen sind rasend schnelle Wellen mit 30 bis 100 Schwingungen pro Sekunde, die im Gehirn wesentliche kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und geistige Flexibilität unterstützen. Neu ist, dass sie auch überlebenswichtiges Verhalten unterstützen – wie eben die Nahrungssuche.

„Zusammen mit Kollegen aus den USA und Großbritannien konnten wir den Schaltkreis auf verschiedenen Ebenen präzise charakterisieren – von anatomischen Verbindungen bis hin zur Erregung einzelner Zellen“, beschreiben Korotkova und Ponomarenko die Forschungsergebnisse.  Eine weitere verblüffende Erkenntnis: Die Mäuse, bei denen die  Futtersuche aktiviert worden war, fraßen nicht etwa mehr. Für die Forscher weist dies darauf hin, dass Nahrungssuche und Essverhalten teilweise unabhängige Mechanismen haben. Diese Theorie konnten die Wissenschaftler in späteren Experimenten auch bestätigen. „Geeignetes Futter zu finden, ist in der freien Natur ein zeitraubendes Unterfangen“, erklärt Korotkova, „deshalb beginnen Tiere schon damit, bevor sie hungrig werden und es vielleicht zu spät sein könnte.“

„Wahrscheinlich ist es dieser Schaltkreis, der uns veranlasst, die Restaurants in einer fremden Stadt abzuchecken oder immer wieder einen Blick in den Kühlschrank zu werfen“, fährt die Biologin fort. „Wir wissen jetzt auch, dass der präfrontale Kortex, das ist eine Hirnregion, die zielgerichtetes Verhalten koordiniert, dabei eine wichtige Rolle spielt.“ Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse die Behandlung von Essstörungen voranbringen kann.

© laborwelt.de/um

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2017/auf-essenssuche-mit-vollem-bauch.html

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