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War Ötzi magenkrank?
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Forschung

War Ötzi magenkrank?

08.01.2016 - Rund die Hälfte aller Menschen plagt der "Magenteufel" Helicobacter pylori. Doch erstaunlicherweise trug bereits Ötzi das Bakterium in sich: Forscher konnten den Magenkeim über DNA-Tests erstmals in der Gletschermumie nachweisen.

Gallensteine, Karies und Herzprobleme – Ötzis Krankenakte ist lang. Womöglich litt der berühmte "Mann aus dem Eis" auch an Magenproblemen, wie eine neue Studie im Fachjournal Science nun zeigt. Einem internationalen Forscherteam um den Paläopathologen Albert Zink und den Mikrobiologen Frank Maixner von der Europäischen Akademie (EURAC) in Bozen ist es nun gelungen, im Mageninhalt Ötzis das Bakterium Helicobacter pylori nachzuweisen, das heute die Hälfte aller Menschen in sich trägt. Es handelt sich um den bisher ältesten Beleg des Bakteriums.

Als Zink und Maixner vor fast drei Jahren die Magenproben des Iceman unter die Mikroskope waren sie zunächst skeptisch: „Es war sehr unwahrscheinlich, etwas zu finden, da Ötzis Magenschleimhaut nicht mehr vorhanden ist“, erklärt Zink. Die Forscher suchten nach einem neuen Weg: „Die Idee, die Gesamt-DNA des Mageneinhaltes zu extrahieren, brachte schließlich die Lösung“, berichtet Maixner. „Nachdem wir das Genmaterial des kompletten Mageninhaltes extrahiert hatten, konnten wir mit einer speziellen Methode die einzelnen Helicobacter-Sequenzen herausfischen und ein 5300 Jahre altes H. pylori-Genom rekonstruieren.“ 

Den Forschern offenbarte sich ein potentiell virulenter Bakterienstamm, auf den Ötzis Immunsystem bereits reagiert hatte: „Wir haben ganz klare Markerproteine entdeckt, die wir von heutigen mit Helicobacter infizierten Patienten kennen“, so der Mikrobiologe. 
Ein Zehntel dieser Infizierten entwickelt zumeist im Alter Magenprobleme, wie Gastritis oder Geschwüre. „Ob Ötzi Gastritis oder Magengeschwüre hatte, können wir nicht mit Sicherheit sagen, da seine Magenschleimhaut eben nicht mehr existiert und sich die Krankheiten dort zuerst manifestieren. Die Voraussetzungen für eine solche Erkrankung waren jedoch gegeben“, so Zink. 

Die kompletten Genomdaten der Magenbiopsie gaben die beiden EURAC-Forscher dann zur Analyse an Thomas Rattei von der Universität Wien weiter, Mit einem überraschenden Ergebnis: „Wir hatten angenommen, bei Ötzi jenen Helicobacter-Stamm zu finden, den die heutigen Europäer in sich tragen“, erläutert der Bioinformatiker. „Doch siehe da, es war ein Stamm, den man heute hauptsächlich in Zentral- und Südasien vorfindet!“ Die Forscher gehen davon aus, dass es ursprünglich einen afrikanischen und einen asiatischen Bakterienstamm gab, die sich irgendwann zum heutigen europäischen Stamm vermischten. Da die Übertragung des Bakteriums meist innerhalb der Familie erfolgt, ist die Geschichte der Weltbevölkerung eng mit der des Bakteriums verknüpft: „Bislang vermutete man, dass die Menschen der Jungsteinzeit, die sesshaft wurden und begannen, Ackerbau zu betreiben, diesen europäischen Stamm bereits mitbrachten. Ötzi lehrt uns, dass dies nicht der Fall war. Die Vermischung der beiden Helicobacter-Stämme hat somit vermutlich erst nach Ötzis Zeit stattgefunden, was zeigt, dass die Besiedlungsgeschichte Europas viel komplexer ist, als angenommen“, so Maixner. 

© laborwelt.de/ad

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2016-01/war-oetzi-magenkrank.html

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