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Migränepillen gegen Hepatitis C
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Infektion

Migränepillen gegen Hepatitis C

14.01.2016 - Die 1000-Dollar-Pille zur Behandlung von Hepatitis C war ein Schock und hat die
Debatte um Arzneipreise heftig angeheizt. Aber es geht auch günstiger: mit einer Migränepille.

1000 Dollar oder 700 Euro für nur eine Tablette: Dieser Preisschocker hatte im vergangenen Jahr weltweit zu heftigen Diskussionen um die Höhe von Arzneimittelkosten geführt. Der US-Pharmakonzern Gilhead hatte mit seinem neuen Hepatitis-C-Medikament Sofosbuvir buchstäblich die Schallmauer aller bisher üblichen Preise für Arzneimittel durchbrochen und sogar Krankenkassen Alarm schlagen lassen. Denn die Kosten einer Therapie mit Sofosbuvir soll pro Patient bei 60.000 Euro liegen. Alle Hepatitis-C-Patienten in Deutschland damit zu behandeln, würde in die Milliarden gehen und die Ausgaben der Krankenkassen ins Uferlose treiben.

Wissenschaftler vom Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung Twincore in Hannover haben daher nach neuen, kostengünstigen Therapiemöglichkeiten für Patienten mit chronischen Hepatitis-C-Virusinfektionen (HCV-Infektionen) geforscht. Im Vordergrund stand nicht die Entwicklung eines neuen Medikaments, sondern die Suche nach Wirkstoffen, die für die Behandlung von Krankheiten bereits zugelassen und erprobt sind. „Wir haben uns bei der Suche nach neuen Ansätzen gegen HCV zunächst auf Medikamente konzentriert, die Ionenkanäle blockieren“, erklärt Paula Perin, Wissenschaftlerin am Institut für Experimentelle Virologie.

Wie das Team im Fachjorunal  Hepatology berichtet, spielen Ionenkanäle eine wichtige Rolle bei der Infektion der einzelnen Leberzellen mit den unterschiedlichen Hepatitis-C-Virusstämmen. Denn Heptitis-C-Viren sind sehr verschieden. Es gibt sieben Genotypen mit wiederum diversen Subtypen, die sich mit leicht unterschiedlichen Mechanismen ihren Platz in der menschlichen Leber sichern. Insgesamt 23 verschiedene Medikamente hat das Hannoveraner Team durchforstet und dabei in einem Migränemedikament den Wirkstoff gegen einen Genotyp von HCV gefunden. Flunarizin ist in Europa und Kanada zur Migräne-Therapie zugelassen. „Flunarizin bremst HC-Viren vom Genotyp II, während des Viruseintritts. Wenn die Membran des Virus und der Wirtszelle miteinander verschmelzen, stört es diese Verschmelzung und verhindert so, dass die Viren in die Leberzelle hineingelangen“, erklärt Perin.

Auch wenn der Wirkstoff nur einen von sieben HCV-Genotypen blockiert – weltweit sind etwa 16 Millionen Patienten mit diesem Virusgenotypen infiziert. Mit einer nur leichten Veränderung der Substanz könnte der Wirkstoff auch zur Behandlung anderer Hepatitis-C-Virenstämme eingesetzt werden. „Darin liegt durchaus das Potenzial für eine kostengünstige Strategie gegen HCV – und nebenbei hat unser Team noch grundlegende Fragen zum Viruseintritt in die Zelle beantworten können", sagt Twincore-Leiter Thomas Pietschmann.

© laborwelt.de/bb

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2016-01/migraenepillen-gegen-hepatitis-c.html

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