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Ehemaliger Stammzellstar vor dem Aus
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Forschungsskandal

Ehemaliger Stammzellstar vor dem Aus

29.03.2016 - Einst als Wegbereiter der Stammzellforschung gefeiert, steht Chirurg Paolo Macchiarini seit längerem für wissenschaftliches Fehlverhalten unter Beschuss. Nun setzte ihn sein Arbeitgeber, das renommierte Karolinska-Institut, vor die Tür.

Er galt lange als Starchirurg, als Pionier der regenerativen Medizin – Paolo Macchiarini war eine schillernde Figur der medizinischen Forschung. 2008 war er der erste, der eine künstlich gezüchtete Luftröhre transplantierte; 2011 implantierte er die erste stammzellbeschichtete synthetische Luftröhre. Doch in den letzten Jahren wurde seine Arbeit immer mehr in Frage gestellt. Ihm wurde vorgeworfen, Publikationen gefälscht und Patienten gefährdet zu haben. Nun rückt auch das renommierte Karolinska-Institut (KI) in Schweden von ihm ab. „Paolo Macchiarini’s Verhalten und seine Forschung sind nicht mit einer Beschäftigung beim KI vereinbar“, begründete das schwedische Forschungsinstitut die Kündigung.

Das Karolinska-Institut hatte lange zu seinem Starchirurgen gehalten, selbst als seine eigenen Kollegen die ersten Vorwürfe erhoben, seine Studien seien gefälscht. Obwohl ein vom KI beauftragter Prüfer zu dem Schluss kam, Macchiarini hätte Daten in fast allen seinen Studien gefälscht, sprach KI-Vizekanzler Anders Hamsten ihn von den Vorwürfen frei. 

Doch der Skandal schlug weiter Wellen. Im Januar zeichnete eine TV-Dokumentation ein schockierendes Bild von Macchiarini. Sie legte Beweise vor, dass der Forscher für seine Luftröhrenimplantationen keine Tierstudien durchgeführt hatte, sondern direkt an schwerkranken Patienten operierte. Obwohl erste Experimente nicht die erhofften Ergebnisse zeigten, setzte er die gefährlichen Operationen fort – in mindestens einem Fall an einer Patientin in Krasnodar, Russland, die nicht lebensgefährlich erkrankt war. Sie starb nach der OP. Außerdem klärte er Patienten nicht über die Risiken der Behandlung auf. Als Reaktion auf die dreiteilige Fernsehserie nahm das Karolinska-Institut die Untersuchung wieder auf. Der Vertrag mit Macchiarini solle im November 2016 auslaufen, so das KI. Vizekanzler Hamsten, vorher einer der standhaftesten Verteidiger Macchiarinis, zeigte sich betroffen und legte sein Amt nieder. 

Das KI hat nun alle Verbindungen zu dem Forscher gekappt. „Es ist unmöglich für das KI, auf irgendeine Art weiter mit Paolo Macchiarini zusammenzuarbeiten“, so Personalmanager Mats Engelbrektson. „Er ist auf eine Art und Weise vorgegangen, die sehr tragische Folgen für die Betroffenen und ihre Familien hatten. Sein Verhalten hat das Vertrauen in das Institut, und in wissenschaftliche Forschung überhaupt, schwer geschädigt.“

Macchiarini selbst will gegen die Entlassung vorgehen. „Ich akzeptiere keine der Schlussfolgerungen des Disziplinarrates“, schrieb er in einem Email an das Fachjournal Science. „Ich habe Anwälte beauftragt und werde unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um meinen Ruf wiederherzustellen.“

© laborwelt.de/um

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2016-01/ki-feuert-ehemaligen-stammzellstar-macchiarini.html

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