Nachrichten

Demenz: Würmer weisen den Weg
Bild vergrößern

Alzheimer

Demenz: Würmer weisen den Weg

15.02.2016 - Lange war gegen Alzheimer kein Kraut gewachsen. Ausgerechnet ein Krebsmedikament hat die bisher unaufhaltsame Krankheit im Tiermodell gestoppt. Dies fanden internationale Wissenschaftler mit einer ungewöhnlichen Methode heraus.

Seit Jahrzehnten versuchen Forscher, einen Ansatz für die Behandlung oder Prävention der Alzheimer-Erkrankung zu finden, bisher ohne Erfolg. Auch wie die Demenzkrankheit entsteht ist noch nicht vollständig geklärt. Ein Forscherteam aus Großbritannien, Schweden und den Niederlanden wählte einen neuen Ansatz für die Wirkstoffsuche. Wie sie in ihrer Studie im Fachjournal Science Advances beschreiben, wählten die Biochemiker 10.000 Moleküle mit bekannter Wirkung auf das bei Alzheimer zentrale Peptid Beta-Amyloid. Die Forscher prüften, welchen Einfluss diese auf die Entstehung von Alzheimersymptomen bei Fadenwürmern hat. Die Würmer waren dafür genetisch so verändert worden, dass sie immer alzheimerähnliche Symptome entwickelten. Bei einem Medikament, das in den USA für die Behandlung von Hautkrebs zugelassen ist, hatte das Team Glück: Würmer auf Bexaroten-Diät entwickelten keine Symptome. 

Das internationale Forscherteam machte sich dann daran, zu ergründen, wie Bexaroten auf molekularer Ebene funktioniert. Sie fanden heraus, dass das Krebsmedikament den ersten Schritt in der molekularen Kaskade stoppt, die im Tod von Gehirnzellen endet. Dabei werden natürlich auftretende Proteine falsch gefaltet und bilden zusammen mit anderen Proteinen dünne fadenähnliche Strukturen, oder Fibrillen. Dabei entstehen Oligomere, kleinere Fibrillenhäufchen, die hoch toxisch auf Nervenzellen wirken. Ihnen wird die Hauptverantwortung für Gehirnschäden bei Alzheimer zugeschrieben. Bexaroten stoppt den ersten Schritt dieser Kaskade, die sogenannte primäre Nukleierung.

Präventiv eingesetzt könnte Bexaroten so die Entwicklung von Alzheimer stoppen. Sind schon Symptome vorhanden, hatte die Gabe von Bexaroten dagegen keinen Einfluss. „Der Körper hat eine Vielzahl an natürlichen Abwehrmechanismen gegen Neurodegeneration. Wenn wir älter werden, kann dieser Schutz beeinträchtigt werden“, so Michele Vendruscolo von chemischem Institut der Cambridge Universität. „Wenn wir die Wirkungsweise dieser natürlichen Schutzmechanismen verstehen, können wir sie unterstützen, indem wir Medikamente entwickeln, die ähnlich wirken.“

Die Forscher warnen nun vor voreiligen Schlüssen. Die Forschungsergebnisse sind ein großer erster Schritt, sagte Studienleiter Vendruscolo dem Guardian: „Doch wir sind uns sehr bewusst, dass wir noch am Anfang stehen und noch viel schief gehen kann.“


© laborwelt.de/bb

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2016-01/demenz-wuermer-weisen-den-weg.html

Neurowissenschaft

24.08.2016 Klar, der Stinkefinger ist eine eindeutige Geste. Mitunter fällt es aber schwer, Situationen in Gut oder Böse einzuordnen. Forscher haben nun entschlüsselt, welche Bereiche im Gehirn helfen, solche Situationen zu meistern.

Sprache

22.08.2016 Schon Neugeborene weinen in ihrer eigenen Sprache. Würzburger Sprachforscher fanden heraus, dass Babys aus China und Kamerun deutlich klangvoller schreien als die Jüngsten in Deutschland.

Infektionen

17.08.2016 Dromedare gelten als Überträger des gefürchteten Mers-Erregers. Nun haben Bonner Virologen in den Tieren auch Spuren eines menschlichen Erkältungserregers entdeckt.

Zoologie

15.08.2016 Mit einer Genomuntersuchung sind Münsteraner Forscher dem Riesengleiter Colugo zu Leibe gerückt und fanden heraus: Mensch und Tier haben sich vor Jahrmillionen einen gemeinsamen Verwandten geteilt.

Sport

10.08.2016 An ihm kommt keiner vorbei: Sprint-Star Usain Bolt ist der schnellste Mann der Welt. Doch was ist sein Geheimnis? Max-Planck-Forscher sind überzeugt, es liegt am Zusammenspiel der Muskelproteine.

Tierwelt

08.08.2016 Wo wohlhabende Menschen wohnen, richten sich auch Insekten und Spinnen ganz besonders gern häuslich ein. Kalifornische Forscher fanden heraus: In reichen Wohnvierteln gibt es mehr Ungeziefer.

Bioökonomie

05.08.2016 Wasserdichte Sachen sind beliebt bei Groß und Klein. Doch die Schutzschicht

besteht aus Chemikalien, die schwer abbaubar sind. Forscher sind nun einer Alternative aus den Proteinen von Pilzen auf der Spur.

Antibiotika

29.07.2016 Unsere Nase bietet einem Bakterium ein Zuhause, das einen antibiotischen Wirkstoff produziert. Der Abwehrstoff kann sogar multiresistente Keime abtöten, berichten Tübinger Forscher.

27.07.2016 Brutzeln meine Würstchen gerade über Esche oder über Tropenholz? Welche Holzart in der Grillkohle steckt, ist beim Kauf oft nicht erkennbar. Nun gibt es eine Technik, die diesem Versteckspiel ein Ende bereitet.

Psychologie

20.07.2016 Freunde finden ist nicht leicht. Bei Mäusen wird die Kontaktaufnahme mit Fremden von einem Botenstoff im Hirn gesteuert, der auch für die Stressbewältigung verantwortlich ist, wie Max-Planck-Forscher herausfanden.

Bild der Woche

Alle Bilder

ADVERTORIAL



Produkt der Woche

Alle Produkte