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Stammzell-Lüge stürzt Forscher
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Ethik

Stammzell-Lüge stürzt Forscher

24.10.2012 - Ein Forscher aus Japan hat womöglich eine Stammzelltransplantation nur vorgetäuscht. Nun steht er im Zentrum eines Skandals.

Ein Thema hält Japan in Atem: Nach dem Nobelpreis über induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) sieht sich das Land einem veritablen iPSC-Skandal gegenüber. Hisashi Moriguchi von der Universität Tokio hat sich damit gebrüstet, Herzstammzellen bei Menschen transplantiert zu haben. Die Vorabversion einer wissenschaftlichen Publikation darüber spielte er einer japanischen Tageszeitung zu, die die Geschichte am 11. Oktober prompt als Aufmacher nahm. Zwei Tage später musste die Zeitung allerdings für die ungeprüfte Übernahme des vermeintlichen Durchbruchs einstehen und sich korrigieren. In der Zwischenzeit hatten sich die auf der Publikation als Koautoren angegebenen Forscher gemeldet. Sie stellten klar: Zum einen seien sie ungefragt und fälschlicherweise auf der Autorenliste gelandet. Zudem seien nach ihrem Kenntnisstand niemals solche Experimente durchgeführt worden. Moriguchi, der seine Luftschlossergebnisse eigentlich auf einer Tagung in New York vorstellen wollte, gab während einer Pressekonferenz schließlich zu, gelogen zu haben.  

Das Blog des Wissenschaftsmagazins Science, ScienceInsider, berichtete am 15. Oktober, dass Moriguchi bei einer Untersuchung an seiner Heimatuniversität in Tokio weiterhin darauf besteht, zumindest die fraglichen iPS-Zellen selbst hergestellt und mit ihnen mindestens eine Transplantation durchgeführt zu haben. Allerdings weigerte er sich, nähere Details zu Ort, Zeit oder Patient zu nennen. Das Untersuchungskomitee bezweifelt daher, dass eine solche Operation jemals stattgefunden hat. Am 19. Oktober wurde Moriguchi schließlich gefeuert. Dass seine ethischen Auffassungen fragwürdig sind, hätte jedoch schon früher auffallen können. Auf etlichen Publikationen der vergangenen Zeit gab er als Arbeitgeber die „Abteilung Forschung und Anwendung iPS-Zellen, Institut für plastische und Wiederherstellungschirurgie der Medizinhochschule der Universität Tokio“ an. Das Problem: Diese Abteilung gibt es gar nicht. Der Universitätsbeauftragte für Integrität in der Wissenschaft wird in den nächsten Wochen die Korrektheit aller Arbeiten des dubiosen Forschers unter die Lupe nehmen. Gut möglich, dass hierbei weitere Beispiele für wissenschaftliches Fehlverhalten gefunden werden.

© laborwelt.de/ml

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2012-q4/stammzell-luege-stuerzt-forscher.html

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