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Schmuggelgut DNA
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Ethik

Schmuggelgut DNA

06.09.2012 - Die ecuadorianische Regierung will ein US-Institut gerichtlich belangen. Der Vorwurf: Schmuggel und Hehlerei mit Ureinwohner-DNA.

Ecuador will die Harvard Medical School vor Gericht ziehen. Deren Coriell Institute for Medical Research in Camden und der Firma Maxus Energy Corporation wird vorgeworfen, DNA von Mitgliedern des Waorani-Volkes (siehe Foto) unrechtmäßig erworben und darüber hinaus auch noch verkauft zu haben. Der Fall rückte Anfang September ins Licht der Öffentlichkeit, weil der Präsident des Landes ihn zur Chefsache erklärte. Rafael Correa äußerte gar die Meinung, dass das Vorgehen der Beschuldigten „jedweder Ethik zuwider laufe.“ Bereits seit 2010 läuft die von den Waorani beauftragte Untersuchung durch die zuständige nationale Behörde. Deren Vorsitzende María Fernanda Espinosa erklärte schließlich im Juli, dass es sich um einen Fall von Biopiraterie handele. Es gibt Zeugen, die Besuche eines Harvard-Wissenschaftlers und eines Arztes von Maxus bei den Waorani bestätigen können. Dabei seien unter dem Vorwand medizinischer Notwendigkeit auch Blutproben genommen worden. Nach Angaben der Behörde gäbe es jedoch keine Einverständniserklärung der Betroffenen für einen Export der Proben, die Extrahierung des Erbguts oder die unwissentliche Weitergabe von biologischem Material.

Das Coriell-Institut weist die Vorwürfe zurück und behauptet, die Zustimmung der Indigenen eingeholt zu haben. Die Proben wurden zwischen 1990 und 1991 genommen. Zwischen 1994 und 2008 seien sie nach Behörden-Angaben darüber hinaus – so wird spekuliert – auch gewinnträchtig an Pharmafirmen verkauft worden. Coriell wiederum will die Proben ausschließlich nur für Forschungszwecke hergegeben haben. Insgesamt geht es dabei um sieben Zellkulturen und 36 DNA-Proben, die sich mittlerweile an Instituten in acht Ländern befinden. Momentan lässt Espinosa verschiedene Optionen prüfen, wie ein Prozess gegen Coriell am besten angestrengt werden könne.

Derzeit belastet bereits die Causa Assange die Beziehungen zwischen Ecuador und den USA. Ist DNA rechtlich gesehen ein Kulturgut oder nicht? Die Klärung dieser Frage ist zu wichtig, als dass sie Teil politischer Ränkespiele werden sollte.

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