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Scharfer Angriff auf Tumore
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Onkologie

Scharfer Angriff auf Tumore

23.07.2012 - Junge Hirnstammzellen können Tumore in den Zelltod treiben. Sie aktivieren einen Ionenkanal, der auch als Geschmacksrezeptor für Schärfe dient.

Forscher vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben einen neuen Mechanismus entschlüsselt, mit dem Stammzellen das junge Gehirn vor bestimmten Tumoren schützen. Auf molekularer Ebene triezen sie die entarteten Zellen offenbar so lange, bis jene stressbedingt ein Selbstmordprogramm starten. Statt sich auf Proteine zu verlassen, nutzen die Stammzellen Fettsäuresubstanzen für den Generalangriff, berichten die Wissenschaftler um Helmut Kettenmann von der Forschungsgruppe Zelluläre Neurowissenschaften am MDC im Fachmagazin Nature Medicine. Die Fettsäure-Ethanolamide aktivieren massenhaft den Ionenkanal Vanilloid-Rezeptor 1 (TRPV1). Genau dieser Kanal ist es auch, der eine Bindestelle für Capsaicin besitzt und so den Chilischoten ihre Schärfe verleiht. Der übermäßig aktivierte Ionenkanal löst den  Stress-induzierten Zelltod bei den Tumorzellen aus. Ist TRPV1 dagegen heruntergeschaltet oder blockiert, werden die Gliomzellen nicht abgetötet.

Allerdings nimmt die Aktivität der Stammzellen im Gehirn und somit der körpereigene Schutzmechanismus gegen Gliome mit zunehmendem Alter ab. Wie kann der natürliche Schutz neuronaler Stammzellen auch für ältere Gehirne nutzbar gemacht werden? Die Gabe von neuronalen Stammzellen sei jedenfalls keine Lösung, so die Forscher. So segensreich sie in jungen Jahren offenbar sind, so können sie im Alter gerade das Gegenteil bewirken und Hirntumore auslösen. Stattdessen könnten die TRPV1-Kanäle durch Medikamente aktiviert werden, schlagen die Wissenschaftler vor. Wie dies gelingen kann, gilt es nun in weiteren Arbeiten zu klären.

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