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Kindes-DNA im Kopf von Müttern
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Forschung

Kindes-DNA im Kopf von Müttern

28.09.2012 - Das Erbgut von Embryos überwindet anscheinend die Blut-Hirn-Schranke. Bei der Autopsie von 59 Frauen-Gehirnen entdeckte man bei 37 fötale DNA.

Forscher vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle (USA) haben entdeckt, dass Kinder Spuren im Gehirn der Mütter hinterlassen. Dabei geht es allerdings nicht um Kopfschmerzen nach einer durchwachten Nacht. William Chan und seine Kollegen haben DNA-Material im Kopf der Mütter aufgespürt. „Unsere Studie ist der erste Beleg dafür, dass Kinder-DNA die Blut-Hirn-Schranke beim Menschen überwinden kann“, erläutert er. Dabei verbleibt die Fremd-DNA zum Teil über Jahrzehnte in der Mutter. Die Analyse fand bei der Autopsie verstorbener Frauen statt. Veröffentlicht wurde die Arbeit am 26. September im Fachjournal PLoS One.

Der Austausch von genetischem Material zwischen den Körpern von Mutter und Kind ist schon vielfach nachgewiesen worden. Sogar ein Schwangerschaftsdiagnostiktest basiert auf solcher fötaler DNA, welche aus dem Blut der Mutter gewonnen wurde. Bisher war aber Kindeserbgut im Gehirn nur in Studien mit Mäusen belegt. Chans Studie zeigt, dass dieses Phänomen auch beim Menschen auftaucht. Bei seinen Untersuchungen fahndete er nach Schnipseln des Y-Chromosoms, welches nur in männlichen Zellen vorkommt. Fötale DNA von Töchtern konnte so nicht nachgewiesen werden. 

Es gibt auch noch eine weitere Erkenntnis: Die Wissenschaftler vermuteten zu Beginn der Untersuchungen, dass die fötale DNA auch Auswirkungen auf den Ausbruch neurodegenerativer Erkrankungen hat. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Frauen mit Kindern häufiger Alzheimer entwickeln als kinderlose Frauen. Von den 59 analysierten Gehirnen (33 davon von Alzheimer-Patienten) konnte bei 63% Kindes-DNA nachgewiesen werden. Ganz entgegen der Anfangsvermutung fand sich aber bei den Alzheimer-Frauen weniger häufig fötale DNA im Gehirn. Hier weisen die Forscher auf eine große Schwäche ihrer Studie hin. Sie wissen nichts über Zahl und Geschlecht der Kinder der untersuchten Frauen. Die besagten 63% der Frauen, bei denen Kindes-DNA gefunden wurde, sind zwar höchstwahrscheinlich Mütter. Es besteht aber eine geringe Chance, dass die Y-Chromosom-Schnipsel im Gehirn von einer Organtransplantation oder einfach nur von einem älterer Bruder stammen.

© laborwelt.de/ml

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2012-q3/kindes-dna-im-kopf-von-muettern.html

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