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Der 80-Millionen-Euro-Doktorand
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Wirtschaft

Der 80-Millionen-Euro-Doktorand

19.09.2012 - Der Firmengründer der Tübinger Curevac GmbH freut sich über eine Investition von 80 Mio. Euro. Alles fing mit dem schrägen Ergebnis eines Kontrollversuchs an.

Das Kontrollexperiment ist das oft vernachlässigte kleine Brüderchen des mit Spannung erwarteten Hauptversuchs. Ab und an passiert es jedoch, dass es aus dem Hintergrund ins Rampenlicht tritt. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür findet sich in der Doktorarbeit von Ingmar Hoerr. Ende der 90er forschte Hoerr in Tübingen an Krebsimpfstoffen. Bei einem bestimmten Versuch erwartete der junge Molekularbiologe nach der Gabe bestimmter DNA-Moleküle eigentlich eine Immunreaktion. Für ihn genauso überraschend wie für seine Professoren sowie die gesamte Wissenschaftsgemeinde, führte jedoch das als Kontrollinjektion gedachte RNA-Molekül zu einer viel stärkeren Reaktion des Immunsystems. Hoerr konnte dieses Ergebnis später bestätigen, beantragte für die neuen Therapeutika Patentschutz und gründete schließlich 2000 die Curevac GmbH, deren Geschäftsführer er noch heute ist. Hoerrs ambitioniertes Ziel: ein Impfstoff gegen Krebs. Vor wenigen Tagen erhielt Curevac die größte jemals in Deutschland für eine Biotech-Firma aufgezogene Kapitalspritze: 80 Mio. Euro. Dabei ist es wiederum SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, der an die Idee eines Krebsimpfstoffes glaubt. Die aktuelle Summe eingerechnet hat Hopp insgesamt 145 Mio. Euro in Curevac investiert.

Mit dem neuen Geld will die Tübinger Firma weitere klinische Studien finanzieren. Erste kleine Tests mit 33 Prostatakrebs- beziehungsweise 46 Lungenkrebs-Patienten hatten bereits gezeigt, dass die unter die Haut gespritzten mRNA-Moleküle keine nennenswerten Nebenwirkungen auslösen. Die Hauptwirkung wurden in beiden Fällen überdeutlich erreicht: Bei 79% beziehungsweise 84% der Patienten löste die Injektion die gewünschte T- und B-Zell-Immunantwort aus. Hoerr schätzt, dass die ersten Ergebnisse der Langzeitstudien frühestens 2017 vorliegen werden. Sind die Ergebnisse positiv, rückt die Vollendung von Hoerrs Lebenswerk in greifbare Nähe.

© laborwelt.de/ml

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2012-q3/der-80-millionen-euro-doktorand.html

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