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Arsen-Bakterien nur Schlamperei?
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Forscher-Streit

Arsen-Bakterien nur Schlamperei?

10.07.2012 - Kann Arsen Phosphor als grundlegendes Element allen Lebens doch nicht ersetzen? Ein vielbeachtetes Paper kommt immer stärker unter Beschuss.

Es war ein kleines Erdbeben, das die Welt der Biologen 2010 erschütterte. In einer Science-Publikation wiesen Forscher um Felisa Wolfe-Simon nach, dass das  Halomonas-Bakterium GFAJ-1 auf Phosphor – eines der Grundelemente allen Lebens – verzichten kann. Das in einem extrem unwirtlichen See lebende Bakterium verwende Arsen, um Phosphor an den entsprechenden Stellen in der DNA und bei bestimmten Proteinmodifikationen zu ersetzen, so die beteiligten Forscher. Schon kurz nach der Veröffentlichung wurde wegen experimenteller Mängel Kritik an der Veröffentlichung laut. Am vergangenen Sonntag manifestierte sich diese schließlich auch in Form von zwei ebenfalls in Science veröffentlichten Publikationen (1, 2). Sowohl die Forscher um Rosemary Redfield von der Universität British Columbia in Vancouver (Kanada) als auch ein Team um Julia Vorholt von der ETH in Zürich (Schweiz) kommen zu dem Schluss, dass das fragliche Bakterium zwar hohe Arsenkonzentrationen verträgt und extrem wenig Phosphor zum Wachsen benötigt (Verhältnis Arsen zu Phosphor 10.000 : 1), nichtsdestotrotz braucht es aber in der Tat Phosphor. Darüber hinaus konnten sie nicht bestätigen, dass Arsen in organische Verbindungen des Bakteriums verbaut wird. Trotz der immer drückender werdenden Beweislast für womöglich nachlässig durchgeführte Versuche haben bisher weder Wolfe-Simon selbst noch Science den Originalartikel zurückgezogen.  

Wolfe-Simon geht vielmehr zum Gegenangriff über. In einem Interview mit der Washington Post verriet sie, dass sie ihre am U.S. Geological Survey ermittelten Ergebnisse an ihrer neuen Wirkungsstätte am Lawrence Berkeley National Laboratory (USA) reproduzieren konnte. Nach der Veröffentlichung des sich gerade in Arbeit befindlichen Papers „dürften die Autoren der beiden Studien einige ihrer Äußerungen wohl bereuen.“ Für David Sanders von der Purdue Universität in Lafayette (USA) sind Wolfe-Simons neue Ergebnisse aber erst einmal unwichtig: „Es wurde nicht angegeben, aus welcher Quelle das verwendete Arsen stammt. Unsere Untersuchungen zeigen, dass kommerziell erhältliches Arsen immer Phosphor-Verunreinigungen enthält. Der Originalartikel war augenscheinlich falsch und hätte niemals veröffentlicht werden dürfen. Er sollte jetzt zurückgezogen werden“, schreibt er in einem Beitrag für den Blog Retraction Watch.

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