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Chemischer Krieg in Unterwelt
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Forschung

Chemischer Krieg in Unterwelt

13.04.2012 - Antibiotika-Resistenzen sind kein modernes Phänomen: Auch entlegene Höhlen-Bakterien besitzen sie – seit vier Millionen Jahren.

Die Geomikrobiologin Hazel Barton von der Universität Northern Kentucky (USA) tauchte tief in Raum und Zeit ein: Die Lechuguilla-Höhlen im US-Bundesstaat New Mexico befinden sich bis zu 487 Meter unter der Erdoberfläche. 1986 entdeckt, dürfen nur handverlesene Personen das seit mehr als vier Millionen Jahren von der Außenwelt abgeschnittene Höhlensystem betreten. Seit 2008 gehört Barton zu den Auserwählten. Ihre Aufgabe: Biofilme von der Felsoberfläche kratzen. Bei der Analyse der Biofilm-Proben im Labor von Gerard Wright an der McMaster-Universität in Hamilton (Kanada) offenbarte sich dann eine Sensation: Obwohl die 93 neu entdeckten und analysierten Bakterienarten nachweislich keinen Kontakt zu modernen Antibiotika hatten (Selbst Wasser braucht etwa 10.000 Jahre, um durch das Gestein zu sickern.), waren sie gegenüber einer Vielzahl von Antibiotika resistent. In ihrem in PLoS ONE veröffentlichten Artikel vom 11. April vermuten die Forscher daher, dass Antibiotikaresistenz ein natürlicher und althergebrachter Mechanismus ist, der in allen – pathogenen wie nicht-pathogenen – Bakterien fest verdrahtet ist.

Wright war besonders vom Ausmaß der Widerstandskraft überrascht: „Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, dass die Höhlen-Bakterien eine solche genetische Vielfalt aufweisen. Quasi alle getesteten Antibiotika wurden von der einen oder anderen Art toleriert.“ Fast alle Arten waren mindestens gegen ein Medikament resistent, 70% gegenüber drei bis vier von 26 untersuchten Antibiotika-Klassen. Einsame Spitzenreiter waren jedoch drei entfernt mit dem Milzbrand-Erreger verwandte Arten, denen 14 Antibiotika nichts anhaben konnten.

Jetzt wollen die Wissenschaftler die Höhle noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Ein solch prall gefülltes Waffenarsenal wird nicht ohne Grund über Jahrmillionen blitzblank gehalten. Sie vermuten, dass es in der Höhle Antibiotika-produzierende Mikroorganismen gibt. Resistenzgene zu besitzen und zu behalten könne daher die beste Strategie sein, in dem chemischen Krieg unter Tage zu bestehen.

http://www.laborwelt.de/aktuelles/nachrichten/2012-04/chemischer-krieg-in-unterwelt.html

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