Per Ola Wiberg über flickr.com
Bild VergrößernForschung
Thermo-Block für Pesterreger
22.02.2012 - Braunschweiger Forscher haben eine trickreiche Strategie zur Bekämpfung der Pest entwickelt. Ausgangspunkt: die Anfälligkeit der Erreger für Kälte.
Helmholtz-Forscher haben den nächsten Verwandten des Pesterregers Yersinia pestis entschärft. Möglich wurde das durch das Wissen um ein molekulares Thermometer im Inneren der Yersinien, das das krankmachende Programm der Winzlinge im menschlichen Körper startet. Genau diesen Mechanismus haben die Forscher um Katja Böhme von der Abteilung Molekulare Infektionsbiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig nun manipuliert.
Als Modellorganismus diente den HZI-Forschern Yersinia pseudotuberculosis. Das interessante Schlüsselprotein heißt LcrF, es aktiviert das eigentliche Verteidigungsprogramm, das es dem Immunsystem nahezu unmöglich macht, den Pesterreger auszuschalten. Ein Regulatorprotein namens YmoA blockiert bei niedrigen Temperaturen das Ablesen der DNA für LcrF. Erst wenn die Temperatur auf 37 °C steigt, wird YmoA inaktiviert und die LcrF-DNA transkribiert. Auch die LcrF-mRNA kann nur bei Körpertemperatur abgelesen werden, vorher bildet sie ein nicht ablesbares Knäuel. „Wir konnten die Temperaturkontrolle von LcrF so gleich auf zwei Ebenen beeinflussen“, erläutert Böhme. „Zunächst haben wir die Menge von YmoA künstlich gesteigert und so das Gen für den Regulator LcrF inaktiviert.“ Dann haben die Forscher noch einzelne Bausteine der mRNA ausgetauscht, so dass sich das Molekül auch bei Körpertemperatur nicht mehr entfalten konnte. Daraufhin war das Immunsystem in der Lage, die Erreger zu beseitigen.
Die Arbeiten am HZI dienen als Grundlage für die Entwicklung eines neuen Medikaments. „Ein Molekül, das die mRNA von LcrF wie eine Klammer zusammenhält, würde die Yersinien inaktivieren und sie so dem Immunsystem ausliefern“, so Abteilungsleiterin Petra Dersch. Außerdem würde ein solcher Wirkstoff ausschließlich die krankmachenden Yersinien treffen, da nur sie dieses molekulare Thermometer besitzen.
Ein alternativer Ansatz bei der Pestbekämpfung wird in Würzburg verfolgt.











