Qiagen
Bild VergrößernQiagen: Auf der Suche nach Wachstumstreibern
Die Qiagen NV hat sich in den vergangenen Jahren durch Übernahmen selbst transformiert. Früher ausschließlich als Laboranbieter bekannt, ist das Unternehmen heute ein Spezialist für Molekulardiagnostik und personalisierte Medizin. Diese Wachstumsbereiche müssen Schwächen im Portfolio der Hildener ausgleichen.
Vor nicht allzu langer Zeit war die Qiagen NV ein ganz normaler Laborzulieferer. Die charakteristischen blauen Packungen standen auf fast jeder Bench. Doch der Erfolg war gleichzeitig ein Fluch. Das Unternehmen wuchs nur noch schleppend. Unternehmenschef Peer Schatz und seine Kollegen wagten die Flucht nach vorn. Die 40 Mio. US-$ teure Akquisition des Hamburger Molekulardiagnistik-Pioniers Artus GmbH im Jahr 2005 war der Auftakt für die Transformation des Unternehmens hin zu einem Geräte- und Testentwickler. 2007 folgte schließlich der Paukenschlag. Für die bemerkenswerte Summe von 1,7 Mrd. US-$ verleibte sich Qiagen den US-amerikanischen Spezialisten Digene Corp. ein. „Dies ist ein Schritt in eines der am schnellsten wachsenden Felder der Molekulardiagnostik“, sagte Schatz nach der Übernahme und meinte damit vor allem die Diagnostik von humanen Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. In den folgenden Jahren verleibten sich die Hildener weitere Firmen ein, darunter die französische Ipsogen, einen Spezialisten für Hämatologie. Die Strategie dahinter: Es geht darum, Qiagens Analyseplattform QiaSymphony auszulasten. Content is king! Je mehr Tests für sie verfügbar sind, desto attraktiver werden die Geräte.
Starker Wettbewerb
Die Konkurrenz ist namhaft: Mit Siemens, Abbott und Roche streiten sich Großkonzerne mit Qiagen um die Gunst der Diagnostik-Labore. Bis Ende 2011 waren weltweit 550 QIAsymphony Geräte installiert. Im laufenden Jahr soll die Zahl auf 750 Stück steigen. Der Verkaufspreis ist dabei nicht entscheidend – oft werden solche Geräte auch geleast. Vielmehr sind es die Verkäufe von passenden Reagenzien und Tests, die sich pro Gerät auf etwa 50.000 bis 60.000 US-$ pro Jahr belaufen. Im Jahr 2011 stammte bereits fast die Hälfte von Qiagens Jahresumsätzen – 2011 waren das 1,17 Mrd. US-$ – aus der Molekulardiagnostik. Die akademische Forschung, einst dominierendes Segment, trägt heute nur noch ein Viertel des Umsatzes. Die Kundenbasis vervollständigen Pharmaunternehmen (19 %) und Spezialisten für Applied Testing (7 %). Unter allen Bereichen wuchsen die Einnahmen aus Akademia am schwächsten. Im vergangenen Jahr stiegen die Umsätze in diesem Bereich gerade einmal um 3 %.
Vor allem in den USA sinken die Ausgaben für öffentliche Forschung, was sich in den Zahlen niederschlägt. Auch in der näheren Zukunft werde sich das nicht ändern, glaubt Qiagens Management. Generell macht Deutschlands größtem Biotech-Unternehmen mit 3.600 Mitarbeitern die derzeitige Schwäche wichtiger Märkte wie den USA zu schaffen. Weil sich hier die finanzielle Situation auch von Privatleuten verschlechtert hat, wird immer weniger Geld für Vorsorge ausgegeben. Damit ist Qiagen abhängig von der Entwicklung der Weltwirtschaft. Entsprechend schlecht verkaufen sich die HPV-Tests des Unternehmens. Marktbeobachter glauben nicht, dass sich das so schnell ändern wird.
Die makroökonomische Gefahr
Und so ist das Unternehmen auf der Suche nach neuen Wachstumsfeldern. Die sieht das Management vor allem in der personalisierten Medizin. Auch hier half Qiagen wieder eine Übernahme. Nach dem Kauf der britischen DxS im Jahr 2009 positionieren sich die Hildener als Partner für Pharmakonzerne, die zunehmend auf der Suche nach begleitenden Diagnostika für ihre Medikamente sind. Nur wenige Unternehmen wie Roche oder Abbott haben diese Expertise im eigenen Haus. Die meisten Unternehmen müssen hier zukaufen. Qiagen hat sich als Partner für Branchengrößen wie Eli Lilly oder Pfizer positioniert. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich Qiagens Diagnostik-Entwicklungsplattform sein wird.






