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Qiagen: Auf der Suche nach Wachstumstreibern
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Qiagen: Auf der Suche nach Wachstumstreibern

Die Qiagen NV hat sich in den vergangenen Jahren durch Übernahmen selbst transformiert. Früher ausschließlich als Laboranbieter bekannt, ist das Unternehmen heute ein Spezialist für Molekulardiagnostik und personalisierte Medizin. Diese Wachstumsbereiche müssen Schwächen im Portfolio der Hildener ausgleichen.

Vor nicht allzu langer Zeit war die Qiagen NV ein ganz normaler Laborzulieferer. Die charakteristischen blauen Packungen standen auf fast jeder Bench. Doch der Erfolg war gleichzeitig ein Fluch. Das Unternehmen wuchs nur noch schleppend. Unternehmenschef Peer Schatz und seine Kollegen wagten die Flucht nach vorn. Die 40 Mio. US-$ teure Akquisition des Hamburger Molekulardiagnistik-Pioniers Artus GmbH im Jahr 2005 war der Auftakt für die Transformation des Unternehmens hin zu einem Geräte- und Testentwickler. 2007 folgte schließlich der Paukenschlag. Für die bemerkenswerte Summe von 1,7 Mrd. US-$ verleibte sich Qiagen den US-amerikanischen Spezialisten Digene Corp. ein. „Dies ist ein Schritt in eines der am schnellsten wachsenden Felder der Molekulardiagnostik“, sagte Schatz nach der Übernahme und meinte damit vor allem die Diagnostik von humanen Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. In den folgenden Jahren verleibten sich die Hildener weitere Firmen ein, darunter die französische Ipsogen, einen Spezialisten für Hämatologie. Die Strategie dahinter: Es geht darum, Qiagens Analyseplattform QiaSymphony auszulasten. Content is king! Je mehr Tests für sie verfügbar sind, desto attraktiver werden die Geräte. 

Starker Wettbewerb

Die Konkurrenz ist namhaft: Mit Siemens, Abbott und Roche streiten sich Großkonzerne mit Qiagen um die Gunst der Diagnostik-Labore. Bis Ende 2011 waren weltweit 550 QIAsymphony Geräte installiert. Im laufenden Jahr soll die Zahl auf 750 Stück steigen. Der Verkaufspreis ist dabei nicht entscheidend – oft werden solche Geräte auch geleast. Vielmehr sind es die Verkäufe von passenden Reagenzien und Tests, die sich pro Gerät auf etwa 50.000 bis 60.000 US-$ pro Jahr belaufen. Im Jahr 2011 stammte bereits fast die Hälfte von Qiagens Jahresumsätzen – 2011 waren das 1,17 Mrd. US-$ – aus der Molekulardiagnostik. Die akademische Forschung, einst dominierendes Segment, trägt heute nur noch ein Viertel des Umsatzes. Die Kundenbasis vervollständigen Pharmaunternehmen (19 %) und Spezialisten für Applied Testing (7 %). Unter allen Bereichen wuchsen die Einnahmen aus Akademia am schwächsten. Im vergangenen Jahr stiegen die Umsätze in diesem Bereich gerade einmal um 3 %. 

Vor allem in den USA sinken die Ausgaben für öffentliche Forschung, was sich in den Zahlen niederschlägt. Auch in der näheren Zukunft werde sich das nicht ändern, glaubt Qiagens Management. Generell macht Deutschlands größtem Biotech-Unternehmen mit 3.600 Mitarbeitern die derzeitige Schwäche wichtiger Märkte wie den USA zu schaffen. Weil sich hier die finanzielle Situation auch von Privatleuten verschlechtert hat, wird immer weniger Geld für Vorsorge ausgegeben. Damit ist Qiagen abhängig von der Entwicklung der Weltwirtschaft. Entsprechend schlecht verkaufen sich die HPV-Tests des Unternehmens. Marktbeobachter glauben nicht, dass sich das so schnell ändern wird.

Die makroökonomische Gefahr

Und so ist das Unternehmen auf der Suche nach neuen Wachstumsfeldern. Die sieht das Management vor allem in der personalisierten Medizin. Auch hier half Qiagen wieder eine Übernahme. Nach dem Kauf der britischen DxS im Jahr 2009 positionieren sich die Hildener als Partner für Pharmakonzerne, die zunehmend auf der Suche nach begleitenden Diagnostika für ihre Medikamente sind. Nur wenige Unternehmen wie Roche oder Abbott haben diese Expertise im eigenen Haus. Die meisten Unternehmen müssen hier zukaufen. Qiagen hat sich als Partner für Branchengrößen wie Eli Lilly oder Pfizer positioniert. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich Qiagens Diagnostik-Entwicklungsplattform sein wird.

Artikel-Archiv

Die Tecan AG hat sich in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet und sich auch als Komponenten-Zulieferer etabliert. Nach einem Höhenflug an der Börse bremsen jetzt jedoch Projektverzögerungen die hochfliegenden Erwartungen.

Mehr als verdreifacht hatte sich die Aktie des Schweizer Laborausrüsters Tecan AG vom Tief im Jahr 2009. Seitdem schien das Unternehmen mit Sitz in Männedorf bei Zürich sich in einem unaufhaltbaren Höhenflug zu befinden. Der Börsenwert überschritt erstmals seit langem wieder lässig die 500 Mio. Euro-Grenze. Im Sommer verließ den Spezialisten für Laborautomation jedoch der Erfolg, und zwar ohne dass er etwas dafür gekonnt hätte.

OEM-Projekt verschiebt sich

Denn Tecan produziert nicht nur eigene Geräte, sondern tritt auch als OEM-Partner auf. Als sogenannter Originial Equipment Manufacturer liefert das Unternehmen Komponenten für Geräte Dritter zu. Die werden jedoch nur gebraucht, wenn der Kunde den entsprechenden Erfolg mit seinem Gerät hat. Im Falle des großangekündigten "P14"-Projektes, das nach Analystenschätzung im kommenden Jahr für 12 Mio. Schweizer Franken Umsatz sorgen sollte, wurde Tecan eine verzögerte Produkteinführung zum Verhängnis. 

Tecan-Chef vor Abschied

Die anvisierten Verkäufe für das kommende Jahr schrieben die Analysten ab. Solche Überraschungen schätzt die Börse gar nicht. Parallel dazu musste Tecan vermelden, dass sich ein Wechsel in der obersten Führung anbahnt. Nach rund sechs Jahren im Amt soll der Vorstandsvorsitzende Thomas Bachmann ersetzt werden. In seiner Amtszeit hatte sich der Kurs des Unternehmens mehr als verdoppelt, genauso wie der Umsatz, der auf 370 Mio. CHF im vergangenen Jahr stieg. Gründe für das Ausscheiden des 52-jährigen CEOs wurden nicht genannt. Sein Vertrag, der turnusgemäß am 31. Oktober dieses Jahres endet, wird nicht verlängert. Bei Anlegern weckt das unschöne Erinnerungen, denn vor Bachmanns Ernennung im Jahr 2005 gehörte eine regelmäßige Chefdebatte quasi zum Tagesgeschäft in Männedorf. Zudem verzettelte sich die Firma Anfang des Jahrtausends mit zahlreichen Übernahmen. Auch Bachmann hatte sich mit dem Kauf des Probenlagerungsspezialisten REMP verspekuliert. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen mit zweistelligem Millionenverlust verkauft. Unter Analysten gilt Bachmann jedoch als derjenige, der das Unternehmen auf Kurs und zwei Kernbereiche ausgerichtet hat. Immer wieder wurde Tecan selbst als Akquisitionsziel gehandelt.

Laborzulieferer mit eigenen Produkten

Im OEM-Bereich liefert Tecan Komponenten zu, die von Partnern im Bereich Labor, Diagnostik oder Forensik verkauft werden. Die Schweizer treten aber auch als Verkäufer eigener Systeme auf. Bekannt sind vor allem die automatisierten Liquid-Handling-Systeme aus der Freedom-EVO-Serie. Aber auch Mikroplatten-Auslese- und Waschgeräte sowie Microarray-Scanner gehören zum Programm des Life Sciences-Spezialisten.

Geographische Expansion und neue Geräte im Fokus

Will Tecan als eigenständiges Unternehmen am Markt erfolgreich bleiben, hat der Nachfolger von Thomas Bachmann einige Hausaufgaben zu erledigen. Denn derzeit erwirtschaftet Tecan kaum mehr als 10% des Umsatzes in Asien. Die Verkäufe in anderen Regionen wie etwa Südamerika oder dem Nahen Osten werden gar nicht erst einzeln aufgeschlüsselt. Bei deren Eroberung sollen auch neue Produkte wie etwa eine neue Liquid Handling-Plattform helfen, die derzeit als größtes Projekt in der Tecan-Geschichte entwickelt wird.

Caliper

Die Caliper Inc. hat sich in den vergangenen Jahren aufgehübscht und sich in Trendbereichen engagiert. Jetzt schnappt sich Perkin Elmer den Wettbewerber für einen Preis von 600 Mio. US$.

"Jetzt erst recht", so scheint das Motto von Robert Friel zu lauten. Nachdem der Vorstandsvorsitzende von Perkin Elmer im Frühjahr noch knapp daran gescheitert war, den Wettbewerber Beckman Coulter zu übernehmen, ist der US-amerikanische Mischkonzern mittlerweile zu Höchstform aufgelaufen, was den Einkauf von Firmen betrifft.

Klage von Aktionären

Jüngstes "Opfer" ist der amerikanische Imaging- und Detektions-Spezialist Caliper Life Sciences Inc. Rund 600 Mio. US-$ in bar bezahlt Perkin Elmer für die Anteile des ebenfalls börsennotierten Wettbewerbers. Das ist immerhin ein Aufpreis von mehr als 40% auf den Aktienkurs vor Bekanntgabe des Übernahmeangebotes. Das Caliper-Management empfahl seinen Anlegern, das Angebot anzunehmen. Einigen reichte das großzügige Aufgeld jedoch nicht aus. Sie reichten Klage gegen den Vorstand von Caliper ein. Grund: Die Firma sei mehr wert. Das Geld der Aktionäre werde verschwendet.

Umsatzplus prognostiziert

Tatsächlich sind die Anteilseigner von Caliper verwöhnt. Im vergangenen Jahr haben die Aktien des Unternehmens um rund 120% zugelegt. Für das laufende Jahr hatte das Management einen Umsatz von mehr als 150 Mio. US-$ prognostiziert - ein Plus von rund 24% gegenüber 2010. Der Gewinn (EBITDA) sollte sich auf rund 9 Mio. US-$ gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln. Mit der laufenden Übernahme werden die Zahlen Makulatur. Wirklich verstehen lässt sich die Wut der Aktionäre jedoch nicht, denn mit einem Kaufpreis, der rund dem Vierfachen des Umsatzes entspricht, bewegt sich die Caliper-Transaktion im Bereich dessen, was auch in der Vergangenheit für Laborzulieferer wie etwa Millipore (an Merck KGaA für den 4,2-fachen Umsatz) oder Fermentas (an Thermo Fisher 4,7x) bezahlt wurde. Caliper hatte sich im vergangenen Jahr aufgehübscht und sich dem Trendbereich der Molekulardiagnostik zugewandt. Mit Produkten in den Bereichen Mikrofluidik, Laborautomation und Imaging drängt Caliper in die Schnittstelle zwischen Diagnostik und Therapie.

Attraktive Karriereoption

So sieht sich das Unternehmen mit seiner Hochdurchsatzplattform Sciclone etwa als Zulieferer für die Probenvorbereitung im Bereich der Genbibliotheken oder des Next Generation Sequencings. Die Zephyr Workstation findet in der Nukleinsäureaufreinigung Anwendung, während die Biochips und DNA-/RNA-Analyzer für die Quantifizierung und Fraktionierung verwendet werden. Caliper zählt Unternehmen wie Tecan, Agilent, Eppendorf, Beckman Coulter und Illumina (Automation) oder Life Technologies, Thermo Fisher sowie Fluidigm (Mikrofluidik) zu seinen Wettbewerbern.

Wachwechsel mit Vorankündigung

Das Management von Perkin Elmer erfüllt mit der Akquisition sein Versprechen, sich im Feld der molekularen Diagnostik weiter zu verstärken. Aber auch bei der Nahrungsmitteltestung auf Pathogene oder Umweltanalytik ergeben sich nun für die - auf den Umsatz bezogen - zehnfach größere Perkin Elmer neue Chancen. Es scheint, als würden sich beide Unternehmen gut ergänzen und Caliper tatsächlich Lücken in der ohnehin breiten Angebotspalette von Perkin Elmer zu füllen. Auch für Kevin Hrusovsky scheint die Übernahme eine attraktive Karriereoption zu sein. Er schließt sich dem Führungsteam von Perkin Elmer als neues Mitglied des "Senior Leadership Teams" an.

Eppendorf AG

Die Eppendorf AG hat sich bis heute nur zögerlich an der Konsolidierung beteiligt. Als Familienkonzern fehlt dem Unternehmen die Akquisitionswährung. In Hamburg setzt man auf eine behutsame Erweiterung des Geschäftes. Nach 23 Jahren bekommt die Firma jetzt einen neuen Chef.

Unter den Laborzulieferern ist die Hamburger Eppendorf AG ein Sonderling. Denn bei den meisten US-Konkurrenten reagiert das Shareholder Value-Prinzip. Wachstum um jeden Preis. Einen Vorstandsvorsitzenden wie Klaus Fink 23 Jahre bis zu seiner Rente zu beschäftigen, das wäre für die börsennotierten US-Riesen undenkbar. Als Fink 1988 seinen Dienst bei der Hamburger Eppendorf AG antrat, verharrte die molekularbiologische Forschung aus heutiger Sicht in der Steinzeit. Die PCR war zwar erfunden, steckte aber noch in den Kinderschuhen. Gute Doktorarbeiten bestanden darin, ein Gen kloniert zu haben. Das berühmte "Eppi", neben der Pipette Vorzeigeprodukt von Eppendorf, wurde jedoch schon 25 Jahre alt. Von 1988 an hieß das Unternehmen Eppendorf Netheler Hinz GmbH. Aus Markensicht ein absolutes No-go, aber ein Verweis auf die Historie des Unternehmens. Erst als rund um die Jahrtausendwende die überschäumende Börse auch die Hamburger lockte, wurde der Name entstaubt und aus der GmbH die heute noch bestehende Eppendorf AG. Vollzogen haben die Hamburger den Schritt an die Börse nie. Offenbar wollten sich die Familien der beiden Gründer Heinrich Netheler und Hans Hinz nicht von ihren Anteilen trennen. Und so befindet sich das 1945 gegründete Unternehmen auch heute noch im Besitz zweier Familien.

Wachwechsel mit Vorankündigung

Auch der aktuelle Wachwechsel wurde behutsam vollzogen und vorbereitet. Zwar besetzt mit Dirk Ehlers ein betriebsfremder Manager seit Mai 2011 den Chefsessel. Allerdings war er bereits mehr als sechs Monate der wohl hochrangigste Praktikant des Unternehmens im Range eines "Vorstands Corporate Development". Mit Ehlers übernimmt ein Branchenexperte das Ruder, der die Biotechnologie aus seiner Zeit bei der Hamburger Evotec AG und Roche Diagnostics gut kennt. Vorgänger Fink wechselt in den Aufsichtsrat. Wachstumsprobleme kannten die Hamburger unter seiner Ägide nicht. Mit Pipetten, Dispensern, Zentrifugen, Verbrauchsartikeln wie Reaktionsgefäßen und Pipettenspitzen sowie automatisierten Geräten für Liquid Handling, Ultra-Tiefkühlgeräten, Fermentern, CO2-Inkubatoren PCR-Geräten wurden im vergangenen Jahr 484 Mio. Euro erwirtschaftet. Das ist ein Anstieg um 11,7% gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn stieg sogar um 17,8% auf 86 Mio. Euro.

In der Wachstumsklemme

Eppendorf ist allerdings zum Wachsen verdammt. Zwar steigt der Umsatz des Unternehmens schneller als der Gesamtmarkt. Doch finanzstarke Konkurrenten wie Thermo Fisher oder Life Technologies sind durch Fusionen zu übermächtigen Riesen geworden, die das Zehnfache des Eppendorf-Umsatzes erwirtschaften. Sie positionieren sich als Lösungsanbieter mit einem Angebot aus Komplett-Systemen, welche vor allem Großkunden aus Lebensmittel- und Pharmaindustrie überzeugen dürften. "Der Konsolidierungsprozess ist in unserer Branche dramatisch", gibt Fink zu. Unter seiner Führung hat sich Eppendorf nur zurückhaltend an Übernahmen herangewagt. Für den Fermenter-Hersteller New Brunswick Scientific bezahlten die Hamburger 110 Mio. US-$ in bar. Das ist möglich, weil in den vergangenen Jahren nur ein Bruchteil der Gewinne an die Gründerfamilien ausgeschüttet wurde. Der Rest wurde stets in das Unternehmen investiert. Und trotzdem fehlen der nicht börsennotierten Eppendorf AG eigene Aktien als bilanzschonende Akquisitionswährung. Auch einen Vorstoß in neue Geschäftsbereiche - wie ihn etwa Qiagen in der Molekulardiagnostik vorgenommen hat - gab es bei Eppendorf bisher in dieser Form nicht.

Tradition gegen Shareholder Value

"Gute Mitarbeiter, gutes Management", das war für den ehemaligen Chef Fink lange Jahre die Formel zum Erfolg. Der neue Chef Dirk Ehlers stellte verstärkte Aktivitäten im Bereich der Zellkultivierung und fermentation in Aussicht. Es wird spannend, zu beobachten, ob sich Eppendorf als familiengeschützter Einzelkämpfer gegen die Shareholder-Value getriebene Übermacht im Labormarkt halten können wird.

Perkin Elmer

Wie das Gesicht von Perkin Elmer in zehn Jahren aussehen wird, das weiß heute niemand. Zwar gilt das Unternehmen als eines der größeren in der Branche. Eine gescheiterte Übernahme in Milliardenhöhe offenbart jedoch die Schwächen des Gemischtwarenladens Perkin Elmer.

25 Cent haben Robert Friel um den Traum gebracht, aus Perkin Elmer einen der ganz großen Spieler der Labor- und Diagnostikbranche zu machen. Damit hätte sich der Firmenchef nach mehr als zehn Jahren in Diensten des amerikanischen Analysen- und Diagnostikkonzerns die Krone aufgesetzt. Nur 25 Cent. Bis in die Endrunde hatte es Perkin Elmer im Bieterverfahren um den US-Konzern Beckman Coulter geschafft, der nach einigen Fehlschlägen (vgl. LBW 1/2011) selbst das "for sale"-Schild aus dem Fenster gehängt hatte. Im Rennen waren - dem Vernehmen nach - einige Investorenkonsortien und der Technologiekonzern Danaher. Der ist im Vergleich zu Perkin Elmer ein Riese. Zwar erwirtschaftete "PKI", wie die Aktie an der New Yorker Nasdaq unter Händlern genannt wird, im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,7 Mrd. US-$ und steigerte den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr sogar um das Vierfache auf 383 Mio. Euro. Gegen Danaher nimmt sich Perkin Elmer jedoch aus wie ein Zwerg. An der Börse wird das Unternehmen mit einem Wert von 2,9 Mrd. US-$ gehandelt - gerade einmal ein Zehntel des Wertes seines übermächtigen Bieterkonkurrenten. Und doch war der David kurz davor Goliath zu besiegen. Mit 83,25 US-$ pro Aktie war das Angebot von Friel & Co. das höchste - gerade einmal einen "Quarter" über dem von Danaher. Perfekt eigentlich. Wenn es allein danach gegangen wäre, hätte Perkin Elmer den Zuschlag bekommen müssen. Fast 7 Mrd. US-$ - mehr als das Doppelte des eigenen Börsenwertes - hätte Friel aufbringen müssen, um sich den wesentlich größeren Konkurrenten einzuverleiben. Das spricht für seinen Mut - oder seine Verzweiflung. Die Investmentbanker von Goldman Sachs misstrauten dem Finanzierungskonzept von Perkin Elmer allerdings. Sie wendeten sich nach Abgabe des Angebotes direkt an Danaher und boten dem Unternehmen den Zuschlag an, wenn es 83,50 Euro bietet. Der Technologieriese schlug sofort ein. Beckman Coulter ging an Danaher. Perkin Elmer bekam keine Chance, das eigene Angebot aufzubessern. Die Firmenehe mit dem größeren Partner sei der bessere "Fit" gewesen hieß es aus Kreisen, die mit dem Bieterprozess vertraut sind.

Breit aufgestelltes Konglomerat

Für Robert Friel fingen die Probleme damit erst an. Die Börse feierte Perkin Elmers Niederlage. Ein Kursanstieg von fast 7% - offenbar war auch unter Anlegern die Sorge groß, das Unternehmen könne sich verheben. Die Analysten kritisieren Perkin Elmers-Markenstrategie seit langem. Das 1937 gegründete Unternehmen mit Firmensitz in Waltham, Massachusetts, gilt als Gemischtwarenladen. Die umfangreiche Produktpalette umfasst die Bereiche "Human Health" und "Environmental Health". Hier finden sich Klinikgeräte zum Screening von Neugeborenen genauso wie Gaschromatographen, Atomabsorptions- und Infrarotspektrometer, LC-Plattformen oder Kapillaren. Kein Wunder, dass rund 3.000 der 6.200 Angestellten damit beschäftigt sind, all die verschiedenen Produkte zu verkaufen.

Bunter Strauß an Übernahmen

Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Firmen übernommen, darunter auch das Geschäft mit Screening-Automaten von Evotec. Zuletzt kaufte Perkin Elmer zwei Firmen zu, die Software zum Datenmanagement entwickelt haben. Gleichzeitig soll der Markenzoo aber kleiner werden. Bereits im vergangenen Jahr wurde Perkin Elmers Geschäft mit LEDs, Beleuchtungen auf Xenon-Basis und Infrarot-Sensoren für rund 500 Mio. US-$ an eine Beteiligungsgesellschaft veräußert. Mit diesem Schritt wurde die Beschäftigtenzahl schlagartig um 2.000 Beschäftigte reduziert - rund ein Drittel der gesamten Belegschaft. Die Einnahmen sollen in Wachstumsmärkte reinvestiert werden. Vor allem das Feld molekulare Diagnostik erscheint dem Management vielversprechend. Ob Perkin Elmer den im Labormarkt ablaufenden Konsolidierungsprozess als selbständige Firma überstehen wird, ist nicht sicher. Die ersten Gerüchte nach dem fehlgeschlagenen Beckman-Gebot stempelten die Firma zum Übernahmekandidaten. Unternehmenschef Friel ließ sofort dementieren. Die Firma stehe nicht zum Verkauf. Sollte der fehlende Vierteldollar aber doch das Ende von Perkin Elmers Selbständigkeit eingeläutet haben, wäre die Tragik für Robert Friel komplett.

Beckman Coulter

Mit der 6,8 Mrd. US-$ schweren Übernahme von Beckman Coulter durch den Danaher-Konzern haben die Laborzulieferer wieder einmal für Schlagzeilen gesorgt. Grund genug, in dieser LABORWELT-Serie einen Blick auf den Deal zu werfen. Mit dem Technologie-Konzern Danaher betritt erneut ein nicht-spezialisierter Player die Life Sciences-Bühne. Ob sich daraus ein ähnliches Erweckungserlebnis entwickelt, wie es General Electric mit der Übernahme von Amersham hatte, muss sich zeigen. Klar ist: Elefantenhochzeiten bleiben an der Tagesordnung. Die Preise blieben hoch, genauso wie die Wahrscheinlichkeit, dass der Labormarkt in zehn Jahren völlig anders aussehen wird als heute.

Nicht alles, was Arnold Beckman anfasste, war von Erfolg gekrönt. Die nicht verklumpende Tinte zum Beispiel. Zu sehr belästigte der Geruch der zugesetzten Buttersäure die Kunden beim Schreiben. Im zweiten Anlauf klappte es dann doch mit der Pioniertat. Der Sohn bayerischer Einwanderer erfand das pH-Meter und löste damit eines der größten Probleme eines benachbarten Orangensaftherstellers - zu entscheiden, welche Früchte zur Saftherstellung oder nur zur Produktion billiger Chemikalien taugten. Die daraus entstandenen Sunkist-Limonaden werden noch heute weltweit verkauft - die Produkte von Beckman-Coulter ebenfalls. Daran dürfte auch die Übernahme durch die Danaher Corp. nichts ändern.

Breit aufgestelltes Konglomerat

Rund 13,2 Mrd. US-$ erwirtschaftet der amerikanische Technologiekonzern Danaher weltweit mit Produkten in der Umwelt- und Messtechnik, in der Zahnmedizin sowie industriellen Anwendungen. Mit bekannten Marken wie Leica Microsystems, AB Sciex oder Molecular Devices stammen bereits 2,3 Mrd. US-$ Umsatz aus den Life Sciences. Durch die Übernahme von Beckman Coulter wird sich dieser Wert auf rund 6 Mrd. US-$ fast verdreifachen. Beckman ist vor allem stark in den Bereichen Automation, Zentrifugation, Elektrophorese oder Analyzern vertreten. Zum größten Teil finden sich die Produkte des Unternehmens aus dem kalifornischen Orange County in Kliniken oder Referenzlaboren, aber auch in der wissenschaftlichen Forschung etwa bei der Versorung mit Reagenzien. Danaher will sich durch die Übernahme vor allem Wachstumsmärkte in der Diagnostik erschließen. Weltweit werde die Nachfrage nach präventiven und prädiktiven Tests steigen - nicht zuletzt durch eine rapide alternde Weltbevölkerung in den Industrieländern. Zudem locken Kostensynergien in Höhe von rund 250 Mio. Euro, die Danaher-President & CEO Lawrence Culp Jr. mit Hilfe von Einsparungen zu heben gedenkt. Tatsächlich haben die traditionellen Marken von Beckman Coulter mit Problemen zu kämpfen. 2010 wäre der Umsatz sogar geschrumpft, wären da nicht die 2009 eingekaufte und offenbar erfolgreiche Olympus- Diagnostikgerätesparte gewesen. Grund für die Probleme im Stammgeschäft war ein Statement der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA, das den Konzern im Frühjahr 2010 erschütterte. Offenbar hatte Beckman Coulter Änderungen an einem sehr erfolgreichen Troponin-Test ohne Abstimmung mit der Zulassungsbehörde durchgeführt. Die reagierte prompt und verschickte einen "Warning Letter", der das Unternehmen im Juli erreichte und zu einem Kurssturz von rund 30% führte. Vom Rückzug des erfolgreichen Tests auf Herzinfarkte (40% Marktanteil) erholte sich das Unternehmen nicht mehr. Im September musste Beckman-Chef Scott Garrett seinen Posten räumen. Gegen Ende des Jahres stellte sich das Unternehmen selbst zum Verkauf - zum ersten Mal seit langem stieg der Aktienkurs wieder. Offenbar waren neben dem letztlich erfolgeichen Danaher-Konzern auch noch eine Reihe von Finanzinvestoren mit bekannten Namen wie Blackstone oder Carlyle interessiert. Letztlich waren Sie aber nicht in der Lage, das strategische Angebot von Danaher zu überbieten. Rechnet man die übernommenen Schulden mit ein, bezahlt Danaher 6,8 Mrd. US-$ und damit rund das Doppelte des Umsatzes oder das 8-fache des Jahresgewinns 2009 von rund 840 Mio. Euro.

Weiterführung unter Danaher

Beckman soll jetzt als eigenständige Marke unter dem Danaher-Dach weitergeführt werden. Einige der 12.000 Mitarbeiter haben bereits Erfahrung, wie es sich in einem so großen Konglomerat lebt. 1982 wurde Beckman schon einmal übernommen. Käufer war damals der Pharmakonzern SmithKline, Vorläufer der heutigen GSK, mit dem der Laborzulieferer zu SmithKline Beckman verschmolz. Sieben Jahre später - die Börse hatte den Geschmack an breit aufgestellten Konglomeraten verloren - drehten die SmithKline Manager das Rad wieder zurück. Beckman wurde eigenständig zurück an die Börse gebracht und übernahm 1997 die Coulter Corp. Ironie der Geschichte: SmithKline suchte sich mit der Beecham plc kurze Zeit später einen neuen Partner mit ganz ähnlichem Namen.

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