Firmen im Fokus

Hausaufgaben für den neuen Chef
Bild vergrößern

Hausaufgaben für den neuen Chef

Die Tecan AG hat sich in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet und sich auch als Komponenten-Zulieferer etabliert. Nach einem Höhenflug an der Börse bremsen jetzt jedoch Projektverzögerungen die hochfliegenden Erwartungen.

Mehr als verdreifacht hatte sich die Aktie des Schweizer Laborausrüsters Tecan AG vom Tief im Jahr 2009. Seitdem schien das Unternehmen mit Sitz in Männedorf bei Zürich sich in einem unaufhaltbaren Höhenflug zu befinden. Der Börsenwert überschritt erstmals seit langem wieder lässig die 500 Mio. Euro-Grenze. Im Sommer verließ den Spezialisten für Laborautomation jedoch der Erfolg, und zwar ohne dass er etwas dafür gekonnt hätte.

OEM-Projekt verschiebt sich

Denn Tecan produziert nicht nur eigene Geräte, sondern tritt auch als OEM-Partner auf. Als sogenannter Originial Equipment Manufacturer liefert das Unternehmen Komponenten für Geräte Dritter zu. Die werden jedoch nur gebraucht, wenn der Kunde den entsprechenden Erfolg mit seinem Gerät hat. Im Falle des großangekündigten "P14"-Projektes, das nach Analystenschätzung im kommenden Jahr für 12 Mio. Schweizer Franken Umsatz sorgen sollte, wurde Tecan eine verzögerte Produkteinführung zum Verhängnis. 

Tecan-Chef vor Abschied

Die anvisierten Verkäufe für das kommende Jahr schrieben die Analysten ab. Solche Überraschungen schätzt die Börse gar nicht. Parallel dazu musste Tecan vermelden, dass sich ein Wechsel in der obersten Führung anbahnt. Nach rund sechs Jahren im Amt soll der Vorstandsvorsitzende Thomas Bachmann ersetzt werden. In seiner Amtszeit hatte sich der Kurs des Unternehmens mehr als verdoppelt, genauso wie der Umsatz, der auf 370 Mio. CHF im vergangenen Jahr stieg. Gründe für das Ausscheiden des 52-jährigen CEOs wurden nicht genannt. Sein Vertrag, der turnusgemäß am 31. Oktober dieses Jahres endet, wird nicht verlängert. Bei Anlegern weckt das unschöne Erinnerungen, denn vor Bachmanns Ernennung im Jahr 2005 gehörte eine regelmäßige Chefdebatte quasi zum Tagesgeschäft in Männedorf. Zudem verzettelte sich die Firma Anfang des Jahrtausends mit zahlreichen Übernahmen. Auch Bachmann hatte sich mit dem Kauf des Probenlagerungsspezialisten REMP verspekuliert. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen mit zweistelligem Millionenverlust verkauft. Unter Analysten gilt Bachmann jedoch als derjenige, der das Unternehmen auf Kurs und zwei Kernbereiche ausgerichtet hat. Immer wieder wurde Tecan selbst als Akquisitionsziel gehandelt.

Laborzulieferer mit eigenen Produkten

Im OEM-Bereich liefert Tecan Komponenten zu, die von Partnern im Bereich Labor, Diagnostik oder Forensik verkauft werden. Die Schweizer treten aber auch als Verkäufer eigener Systeme auf. Bekannt sind vor allem die automatisierten Liquid-Handling-Systeme aus der Freedom-EVO-Serie. Aber auch Mikroplatten-Auslese- und Waschgeräte sowie Microarray-Scanner gehören zum Programm des Life Sciences-Spezialisten.

Geographische Expansion und neue Geräte im Fokus

Will Tecan als eigenständiges Unternehmen am Markt erfolgreich bleiben, hat der Nachfolger von Thomas Bachmann einige Hausaufgaben zu erledigen. Denn derzeit erwirtschaftet Tecan kaum mehr als 10% des Umsatzes in Asien. Die Verkäufe in anderen Regionen wie etwa Südamerika oder dem Nahen Osten werden gar nicht erst einzeln aufgeschlüsselt. Bei deren Eroberung sollen auch neue Produkte wie etwa eine neue Liquid Handling-Plattform helfen, die derzeit als größtes Projekt in der Tecan-Geschichte entwickelt wird.

http://www.laborwelt.de/aktuelles/firmen-im-fokus/hausaufgaben-fuer-den-neuen-chef.html

Artikel-Archiv

VWR International, LLC aus den USA ist ein international agierendes Handelsunternehmen. Die Umsatzrendite ist im Vergleich zu produzierenden Firmen niedrig. Seit Jahren fährt VWR einen Expansionskurs mit Übernahmen in Europa und Südamerika. Mit 5.000 Zulieferern, 60.000 Kunden und 1,5 Millionen verfügbaren Artikeln kämpft VWR mit Thermo Fisher Scientific um die Vorherrschaft am Markt. Hier musste VWR zum Beispiel 2009 einen Rückschlag hinnehmen, als sich nach 24 Jahren das Massachusetts Biotechnology Council (MassBio) bei der Ausschreibung eine 5-Jahres-Versorgungsvertrags über 250 Mio. US-$ für Fisher Scientific entschied. Grund genug für VWR, die Geschäftsstrategie zu überdenken.

Peqlab

Neben einer stärkeren Fokussierung auf das Endkundengeschäft gehört offenbar auch eine Neuausrichtung der Akquisepolitik dazu. Seit einigen Jahren werden nicht mehr nur reine Vertriebsgesellschaften geschluckt. Zunehmend finden sich darunter auch Hersteller von Biochemikalien und Laborverbrauchsmaterialien. Neuestes Beispiel: die Peqlab GmbH aus Erlangen. Die Wurzeln von VWR liegen im Jahr 1852. John Taylor hatte damals in Sacramento zwar nicht wie beabsichtigt als Goldgräber Erfolg, dafür aber als Verkäufer von Glaswaren für Apotheker und von Chemikalien für Minenbau, Prüfungs- und Laborwesen. Anfang der 1950er Jahre gingen Überbleibsel seiner Firma an VWR (Van Waters & Rogers, Inc.) aus Seattle. VWR selbst wurde 1924 von Georges Van Waters und Nat Stuart Rogers ins Leben gerufen. Die Firma handelte zunächst mit Terpentin und Farben. Die wichtigsten Geschäftsfelder Mitte der 1960er Jahre waren Industriechemikalien, Wissenschafts-, Wäscherei-, Landwirtschafts-und Polstereibedarf. Nach der Fusion mit der United Pacific Corporation entstand die VWR United Corporation. Ende der 1980er wurde der Gemischtwarenkonzern in zwei Teile geteilt. Einer davon vertrieb Ausrüstung und Zubehör für Wissenschaft und Grafik, Textil- und Möbelfertigungsbedarf, elektronische Komponenten und elektromechanische Geräte.

Wachstumsschub mit Übernahme

Bis auf den Laborbereich wurde 1989 alles verkauft. Einen Wachstumsschub gab es schließlich 1995, als VWR die Abteilung Industrie- und Life-Sciences-Chemikalien von Baxter übernahm. Eine entscheidende Rolle spielte damals die deutsche Merck KGaA, die einen Großteil des Preises von 400 Mio. US-$ stemmte und später VWR komplett übernahm. 2001 wurden die US-amerikanische VWR Scientific Products Corp. und die Merck Eurolab-Gruppe zusammengelegt und mit VWR International, Inc. entstand ein globaler Akteur. Statt wie zunächst angedacht an die Börse ging VWR 2004 für 1,68 Mrd. US-$ an das Private-Equity-Unternehmen Clayton, Dubilier & Rice, Inc. Dieses verkaufte VWR 2007 für geschätzte 3,7 Mrd. US-$ an einen anderen Finanzinvestor, Madison Dearborn Partners, dem die Firma noch heute gehört.

Klein- statt Großkunden

Nach dem Verlust des millionenschweren Großauftrags des Life Sciences-Clusters MassBio 2009 begann VWR sich stärker auf das Endkundengeschäft zu konzentrieren. Der Strategiewechsel wurde Mitte 2010 mit der Einrichtung verschiedener Kanäle zum Erfassen von Kundenreaktionen eingeleitet. Außerdem wurden eine jährliche Kundenumfrage initiiert und eigene Handelsmarken ins Sortiment aufgenommen. So sind zum Beispiel Heizblöcke und Filterpapiere unter dem Namen VWR Collection im Angebot. Die Kunden reagierten nach Angaben von VWR positiv. So stieg der Promotorenüberhang, eine Kennzahl für zufriedene Kunden, von Anfang 2012 bis Ende 2013 um 26%. Dennoch musste die Firma in der Zwischenzeit eine weitere empfindliche Einbuße verkraften: Eine großes Pharmaunternehmen ging als Kunde verloren. Parallel zur internen Neuausrichtung kaufte VWR auch kleine Produzenten von Spezialreagenzien auf: 2011 Amresco, Inc. (USA, Molekularbiologie) und Anachemia, Inc. (Kanada, Chemie & Bergbau), 2012 Switch BVBA (Belgien, Zytologie & Histologie) und 2013 United Biochemicals, Inc (USA, Puffer & Aminosäurederivate). Trotzdem: VWR droht, von Thermo beiseitegedrängt zu werden. Zwar sind beide Firmen für den Endkunden praktisch „One-stop-shops“, doch Thermo hat mehr in Eigenregie produzierte Produkte mit höheren Margen im Angebot. Außerdem hat es sich mit der Life Tech-Übernahme Anfang 2013 die Gendiagnostik als neues Geschäftsfeld eröffnet. VWR scheint nun gewillt nachzuziehen. Im Januar 2014 wurde eine Übernahmevereinbarung mit der Peqlab Biotechnologie GmbH abgeschlossen.

Weltweit Vertriebswege eröffnet

Die 1996 gegründete Erlanger Firma macht 70% des Umsatzes mit Geräten, den Rest mit Reagenzien und Verbrauchsmaterialien. „VWR ist gerade wegen der Gerätesparte auf uns zugekommen“, so Peqlab-Chef Reinhold Mischau gegenüber LABORWELT. Peqlab eröffnen sich durch den Verkauf Vertriebswege in die ganze Welt. Gut möglich, dass die Thermocycler und PCR-Arbeitsstationen aus Franken bald in Shanghai und Buenos Aires zum Einsatz kommen. Die Fertigungskapazitäten für einen solchen Auftragsschub seien vorhanden, versichert Mischau. Hersteller ist die zu Peqlab gehörende Clemens GmbH in Würzburg, die seit 1989 PCR-Geräte fertigt. Für VWR ist die Akquise zwar insoweit Neuland, dass auch ein Geräteproduzent ins Haus kommt, doch ein echter Befreiungsschlag sieht anders aus. Gut möglich, dass der Strategiewechsel zu zögerlich angegangen wird. Die Gerüchte, dass VWR und Konkurrent Sigma-Aldrich zusammengehen, um langfristig gegenüber Thermo zu bestehen, werden daher trotz des kleinen Einkaufsbummels in Franken wahrscheinlich nicht verstummen.

© laborwelt.de/ml

Die US-Firma Hamilton hat seit 1966 einen Ableger in der schweizerischen Bergwelt. Damals wurde dem Firmengründer Clark Hamilton im 3.000-Seelen-Örtchen Bonaduz eine ehemalige militärische Truppenunterkunft als Grundlage für seinen Europastandort angeboten. Hamilton schlug ein und heute beschäftigt der Standort mehr als die Hälfte der Belegschaft Unternehmens. Zuweilen wird Bonaduz auch als heimlicher Hauptsitz von Hamilton apostrophiert.

Hamilton Bonaduz

Der Aufschwung wird vor allem durch das Geschäft mit Robotern für den Life-Sciences-Bereich befeuert. Mittlerweile kommen Lösungen für die Automation von Laboraufgaben nicht nur in Pharmafirmen zum Einsatz, sondern auch im akademischen Umfeld. Obwohl die Firma in der Vergangenheit vor allem organisch gewachsen ist, scheut sie gezielten Zukäufe nicht. Erst im Januar stärkte Hamilton seine Sensorsparte mit dem Kauf kapazitiver Biotech-Sensoren von der französischen Firma Fogale. Ende November 2013 vermeldete die Hamilton Bonaduz AG einen Rekordumsatz für das abgeschlossene Geschäftsjahr. Die im bündnerischen Bonaduz sesshafte Firma ist Teil der Hamilton-Gruppe. Diese ist mit 1.500 Mitarbeitern und 40 Niederlassungen und Vertriebsunternehmen global präsent. Geforscht wird am Standort Bonaduz, dem Hauptsitz in Reno im US-Bundesstaat Nevada und in Franklin im US-Bundesstaat Massachusetts. Was Umsätze und Gewinne angeht, hält sich die 1956 gegründete und in Familienbesitz befindliche Firma bedeckt – telefonische Nachfragen werden freundlich aber bestimmt abgeblockt.

Basis des Firmenerfolges war eine Idee des Gründers Clark Hamilton im Jahre 1947. Der Chemieingenieur entwickelte damals die erste Mikroliterinjektionsspritze. Bereits in den 70er Jahren bot die Firma halbautomatische Verdünnungsgeräte an, 1980 kam die erste vollautomatische Arbeitsstation für die Probenaufarbeitung dazu. Inzwischen gehört die Firma den vier Söhnen des Gründers. Treiber der Unternehmensentwicklung war indes vor allem der Schweizer Standort, der relativ eigenständig auftritt. Die Hamilton-Familie soll hier im Gegensatz zu ihren US-Firmen nur begrenzt operativ aktiv sein, heißt es. Aus der Ex-Truppenunterkunft wurde ein weitläufiges Firmengelände. Kaum ein Jahr, in dem keine Erweiterung ins Haus stand. Mittlerweile arbeiten in dem Örtchen am Rhein knapp 850 Mitarbeiter. Um dem wachsenden Platzbedarf gerecht zu werden, plant die Firma 2014 einen weiteren Neubau in Bonaduz. Andererseits wird aber auch in Rumänien expandiert. Dort ist bis 2015 der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Billigprodukte geplant.

Zuwachs für die Sensorsparte

Die Hamilton-Gruppe konzentriert sich auf vier Hauptgeschäftsfelder: Der mit Abstand größte Zweig ist die durch Hamilton Robotics bediente Laborautomation. Hamilton Medical kann dem Wirtschaftsbereich Medizintechnik zugerechnet werden, Hamilton Lab & Sensors der klassischen Laborausrüstung und Hamilton Storage Technologies dem Bereich Biobanken. Viele Bereiche werden parallel durch eine der Mutter in Reno zugehörige Firma und einer Tochter der Hamilton Bonaduz AG bedient. Das jüngste Geschäftsfeld der Gruppe sind die Storage Technologies, die auf den Kauf des Geschäftsbereiches Tekcel des Biotech-Spezialisten Magellan Biosciences Anfang 2007 zurückgehen. Der Bereich entwickelt technische Lösungen für das laborinterne Probenmanagement und die Probenlagerung – für Röhrchen und Mikrotiterplatten bestückt mit biologischen oder chemischen Proben. Zentraler Fokus ist der Ultratieftemperaturbereich. Für Hamilton Bonaduz‘ CEO Andreas Wieland damals ein logischer Schritt: „Beide Unternehmen sind in der Automatisierungstechnik für Laboratorien führend. Die Tekcel-Technologie kann dabei wunderbar in unsere Liquid Handling-Arbeitsstationen integriert werden.“

Die Stärkung der Lab & Sensors-Sparte mit den Online-Messtechnologien von Fogale soll vor allem das Biopharma-Geschäft ankurbeln helfen. Seit Anfang Februar führen sie Fogales kapazitive Sensoren und Sensoren zur Messung der optischen Dichte in ihrem Portfolio. Für alle Firmen, die lebende Zellen in ihren Reaktoren überwachen müssen, sind das kritische Parameter. Hamilton Bonaduz sei derzeit der einzige Hersteller, der alle Sensoren zur Kontrolle dieser Kenngrößen in Forschung und Entwicklung, Prozessentwicklung sowie Produktion aus einer Hand anbiete, so ein Firmensprecher. Auch die neu erworbene Einwegtechnologie für Kapazitätsmessungen dürfte beim derzeitigen Boom der Einwegbioreaktoren eine gewichtige Rolle bei der Kaufentscheidung gespielt haben. Finanzielle Details des Geschäfts wurden nicht veröffentlicht.

© laborwelt.de/ml

General Electrics‘ (GE) Division „Gesundheit“ breitet sich seit Jahren auch im Labormarkt aus. Die Ursprünge dieser Abteilung des US-Konzerns aus Fairfield (Connecticut) liegen in der Herstellung von Röntgengeräten, Computer- und Kernspintomographen. Später kamen IT-Dienstleistungen und verschiedene technische Systeme für den Einsatz in Kliniken dazu. Einen markanten Einschnitt stellte 2004 die Übernahme von Amersham dar. Seitdem mischt GE auch auf dem Diagnostik- und Biopharmamarkt mit. Anfang 2014 nutzte GE die sich bietende Chance, das Produktportfolio in diesem Bereich zu vervollständigen. Thermo Fisher Scientific musste im Zuge der Fusion mit Life Technologies aus kartellrechtlichen Gründen unter anderem seine Zellkultursparte verkaufen. GE Healthcare sicherte sich das profitable Geschäft für einen Preis von 1,06 Mrd. US-Dollar.

GE Healthcare, FL

Am Anfang war das Licht. Als der Finanz- und Technikkonzern General Electric Co. 1892 gegründet wurde, gehörte der Erfinder der ersten kommerziell erfolgreichen Glühbirne, Thomas Edison, zu den Vätern. Zubehör für elektrisches Licht wurde damals hergestellt, bald kamen aber so unterschiedliche Produkte wie elektrische Lokomotiven und Tischventilatoren dazu. Heute findet GE zunehmend mehr Gefallen an seiner Healthcare-Division. Die steuerte 2012 zwar nur ein Achtel – immerhin reichlich 18 Mrd. US-Dollar – zum Gesamtumsatz bei, doch Jeff Immelt, Vorstandsvorsitzender seit 2001, glaubt an steigende Umsatzrenditen und Gewinne in diesem Bereich. Erst vor wenigen Wochen ließ er verlautbaren, dass es hier für GE potentiell eine Menge guter Geschäfte abzuschließen gebe.


Ein Geschäft mit zwei Gewinnern

Jetzt ist das erste davon in der Tüte: Thermo Fisher Scientific hatte im vergangenen November die Genehmigung der Europäischen Kommission für die Fusion mit dem US-Biotech-Unternehmen Life Technologies nur unter Auflagen bekommen. Eine zu dominante Marktstellung in den Segmenten Zellkultur-Medien und -Seren, Gene-Silencing-Produkte und polymerbasierte magnetische Beads war den Wettbewerbshütern ein Dorn im Auge. Die in Großbritannien angesiedelte Gesundheitsdivision, GE Healthcare Ltd., nutzte die sich bietende Gelegenheit und erwarb Anfang 2014 für 1,06 Mrd. Dollar diese drei Geschäftsbereiche.
Die magnetischen Beads stärken GEs Stellung im Bereich Proteinanalytik und medizinische Diagnostik. Für die Gene-Silencing-Produkte – darunter auch eine Reihe von Patenten des RNAi-Pioniers Thomas Tuschl – sind hingegen keine Synergien offensichtlich. Kieran Murphy, Chef der GE Healthcare-Unterabteilung Life Sciences, sieht daher vor allem die Zellkultursparte als Schlüsselwert der Transaktion. Er glaubt, dass vor allem GEs Kunden in der Biopharma-Produktion „sofort von zusätzlichen Komplettlösungen profitieren werden, die die Produktausbeute erhöhen und die Zeit bis zum Markteintritt des Produktes verringern helfen werden.“ Der für den überschaubaren Jahresumsatz von insgesamt 250 Mio. US-Dollar stolze Kaufpreis von mehr als 1 Mrd. US-Dollar erklärt sich durch eine Reihe von Interessenten, die sich gegenseitig überboten hatten. Für GE Healthcare war der Kauf jedoch auch eine strategische Entscheidung: Mit Thermos HyClone- Zellkulturmedien und -seren kann die Healthcare-Division ihren Kunden nun maßgeschneiderte Komplettlösungen für Anwendungen der Zellbiologie, Zelltherapie und Biopharma-Produktion anbieten. Nigel Darby, Vizepräsident BioProcess der GE Healthcare-Unterabteilung Life Sciences, schwebt zum Beispiel eine Plattform zur Herstellung monoklonaler Antikörper „von der Stange“ vor. Jetzt sei nämlich nicht nur das Know-how zu Bioprozesstechnik und Downstream-Aufreinigung, sondern auch das Wissen und die Möglichkeiten zur Herstellung von Spezialmedien vorhanden. Mit der PAA Laboratories GmbH aus Pasching/Linz (Österreich) hatte sich GE zwar bereits 2011 einen Medien- und Serenspezialisten einverleibt, doch mit den HyClone-Produkten holt man sich nun weitaus mehr Renommee an Bord. Außerdem werde mit den beiden zusätzlichen Produktionsstandorten in den USA und Asien (Singapur) die globale und zeitnahe Verfügbarkeit der Produkte gewährleistet, so GE.


Life Sciences-Zentrale in Europa

GE Healthcare ist die einzige Division bei General Electric, die ihren Sitz nicht in den USA hat. John Dineen leitet die Geschicke von Little Chalfont (UK) aus. Dort, in der Grafschaft Buckinghamshire, war die Heimat von Amersham plc. 2004 hatte GE Healthcare die britische Firma übernommen und betrat damit Neuland: Mit einem Schlag gehörten Bildgebungsreagenzien (Unterabteilung Medical Diagnostics, Little Chalfont) und Biopharma-Produktion als auch Bioprozesstechnik und Wirkstoffentdeckung (Unterabteilung Life Sciences, Uppsala, Schweden) zum Angebot des Technik-Riesen aus den USA. Dineen strich im Rahmen des Thermo-Deals besonders letztere Sparte heraus: „Der Bereich Life Sciences ist einer unserer stärksten und am schnellsten wachsenden Sektoren.“ Mit 4 Mrd. US-Dollar Umsatz trägt Uppsala ein Fünftel des GE Healthcare-Umsatzes. Macht GE seine Ankündigungen wahr, dürfte die Life Sciences-Einheit in Zukunft noch für tüchtig Bewegung im Labormarkt sorgen.

© laborwelt.de/ml

Obwohl Agilent Technologies schon seit Jahrzehnten Analyse- und Messgeräte herstellt und unter anderem im Jahr 2000 das weltweit erste kommerzielle Lab-on-a-Chip-System vermarktet hat, schloss die Firma erst mit dem Kauf des Companion Diagnostic-Anbieters Dako zur Spitzengruppe der Life Sciences-Unternehmen auf. Die Kunden aus der Pharmawelt gaben sich in den vergangenen zwei Jahren bei Agilent die Klinke in die Hand. Analysten zufolge könnte das Aktionärsvermögen aber gesteigert werden. Dafür müsse sich der Tante Emma-Laden aber auf die zukunftsträchtigen Gesundheitsbereiche konzentrieren. Ende September erhörte das Management schließlich die Signale: Bis Ende 2014 will Agilent das Geschäft komplett auf Life Sciences, Diagnostik und chemische Analysen ausrichten. Das historisch gewachsene Kerngeschäft soll in eine neue Firma verlagert werden.

© Dako

Agilent Technologies Inc. ist ein junges Unternehmen mit alten Wurzeln. Es wurde 1999 als Spin-off des US-Computer-Konzerns Hewlett-Packard Co. gebildet. Alles, was nicht in irgendeiner Weise mit Rechnern, Druckern oder Speichern zu tun hatte, wurde unter das Dach der neuen Firma aus Santa Clara gepackt. Und das war nicht wenig: Der IPO galt damals als der größte des Silicon Valleys. 

Bewahrer der Traditon

Mit der Aufspaltung kam auch der älteste Geschäftsbereich der 1939 von Bill Hewlett und Dave Packard in einer Garage gegründeten HP zu Agilent, die elektronischen Messgeräte. Erstes HP-Produkt war ein Oszillator, später folgten Spannungsmessgeräte und Frequenzzähler. 1970 wurde HP auf dem Massenspektrometrie-, 1973 auf dem HPLC-Markt aktiv. Letzteres durch die Übernahme der Hupe und Busch GmbH in Waldbronn. Agilent wurde im Jahr 2000 vollständig eigenständig. Die Firma beschäftigte damals 47.000 Mitarbeiter, heute sind es nur noch weniger als die Hälfte davon. Im ersten Jahr wurden 9,4 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet, heute liegt der Umsatz nur bei knapp 6,9 Mrd. US-Dollar. Der Grund: Die Firma kam nach der Abspaltung nicht so recht in Schwung – 2001 folgte eine Entlassungswelle; außerdem erklärt der Verkauf der Medizinprodukte-Sparte an Philips Medical Systems einen großen Teil des Umsatzeinbruchs in den frühen 2000er Jahren. Zwei Drittel des Geschäfts hatte Agilent im Telekommunikations- und Elektronikbereich gemacht – damals wie heute ein stark umkämpftes Segment mit kleinen Gewinnmargen. Als der erste CEO, Edward Barnholt, 2005 nach 39 Jahren bei HP/Agilent in den Ruhestand ging, übergab er eine geschrumpfte aber gesunde Firma. 

Unter dem Nachfolger William Sullivan emanzipierte sich Agilent zunehmend von der Elektroniksparte. 2012 machte sie weniger als die Hälfte des Umsatzes aus. Bei dieser Umstrukturierung kommt gerade den Biowissenschaften eine wichtige Rolle zu. 2011 kaufte Agilent den schwedischen Aufreinigungsspezialisten Halo Genomics und den US-amerikanischen Mikrochromatographie-Anbieter BioSystem Development. Aber erst mit der 2,2 Mrd. US-Dollar schweren Übernahme der Dako Diagnostics A/S im Mai 2012 – der größten M&A-Aktivität Agilents überhaupt – machte die Firma so richtig von sich reden. Dako aus dem dänischen Glostrup war zu 61% in Familienbesitz, als sie 2007 für 980 Mio. Euro an die Private Equity-Gesellschaft EQT V verkauft wurde. Seitdem entwickelte sich der Krebsdiagnostik-Spezialist konstant weiter, schloss Partnerschaften mit Quintiles, AstraZeneca, Roche und Amgen. Trotzdem scheint aber erst der Verkauf an Agilent das volle Potential des Anbieters von Antikörpern und Diagnostik-Tests entfesselt zu haben. So finden sich mit BristolMyersSquibb, Pfizer und Eli Lilly fast alle namhaften Pharmafirmen unter den Kunden Dakos. Agilent erhöhte mit dem Zukauf seine Mitarbeiterzahl auf einen Schlag um 1.000, der Umsatz stieg um 300 Mio. US-Dollar. Zu den drei bestehenden Segmenten gesellte sich die neue Abteilung „Genomik und Diagnostik“. 

Agilent bekennt sich zu Life Sciences

Doch trotz der guten Nachrichten aus den Biowissenschaften kommt die Aktie der Kalifornier derzeit nicht so recht vom Fleck. Andere Firmen aus diesem Bereich wuchsen 10-Mal kräftiger, so Analysten bei Bloomberg. Die Ursache für den Ladenhüter-Status der Aktie sehen einige in der Elektronik-Sparte, die seit zehn Jahren keine Wachstumsimpulse mehr aussenden konnte. Der Umsatz in den Bereichen Chemie und Life Sciences verdreifachte sich hingegen in diesem Zeitraum. Standard & Poors-Analyst Jeffrey Loo erklärte im Frühjahr 2013, dass ein Spin-off der drei Gesundheitsbereiche Interesse bei den Aktionären wecken könne. Dass jene Bereiche auch in Zukunft weiter gestärkt werden sollen, erklärt die Gerüchte, dass Agilent an der Übernahme von Life Technologies interessiert gewesen sein soll. Der Sequenzierungsspezialist wanderte letzten Endes unter die Fittiche von Thermo Fisher. Statt mit Zukäufen besetzte Agilent im September die Schlagzeilen mit einer anderen Meldung: Die von der Börse erhoffte Fokussierung auf die Biowissenschaften soll bis Ende 2014 vollzogen werden. Die Elektroniksparte wird ein weiteres Mal in eine neue – noch namenlose – Firma ausgelagert. Auch wenn die HP-Wurzeln damit zur Verschiebeware werden, die Börse goutierte den Schachzug: Der Aktienwert stieg um 5%.

© laborwelt.de/ml

26.06.2013 Mit Thermo Fisher Scientific widmen wir uns in dieser Folge wieder dem Unternehmen, mit dem 2010 die Reihe „Labormarkt im Umbruch" begann. In den vergangenen drei Jahren ist im Hause Thermo viel passiert. Die damalige Überschrift „Hungriger Hecht im Karpfenteich" hat auch im Jahr 2013 noch Bestand. Schlagzeilen machte das Unternehmen im Frühjahr, als es einen Bieterwettstreit um die Übernahme des Life-Sciences-Spezialisten Life Technologies Corp. gewann. Damit will Thermo die derzeit lukrativste Sparte Spezialdiagnostik weiter ausbauen und sich für die Ankunft der personalisierten Medizin hübsch machen.

Die BRAHMS AG in Henningsdorf wurde von Thermo 2009 für 330 Mio. Euro übernommen.

Thermo Fisher Scientific hat in den vergangenen drei Jahren unbeirrt seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Verglichen mit dem Geschäftsjahr 2009 stieg der Umsatz 2012 um knapp 24%, der Börsenwert kletterte um fast die Hälfte. Dabei setzt CEO Marc Casper wie sein 2009 an die Spitze von Bayer gewechselter Vorgänger Marjin Dekkers vor allem auf Zukäufe. 

Noch im September 2012 bemerkte Reuters, dass sich die M&A-Aktivitäten im Sektor Biowissenschaften auf einem 3-Jahres-Tief befänden. Dass dies im Nachhinein betrachtet nur eine Momentaufnahme war, ist auch Thermo Fisher zu verdanken. Am 15. April 2013 versetzte die Firma die Szene in helle Aufregung. In einer Auktion um den Kauf der Life Technologies Corp. setzte sie sich mit einem 13,8 Mrd. US-$-Angebot durch. Der Weltmarktführer in Sachen Laborausstattung nimmt somit mehr Geld in die Hand als die wohl am besten in der Diagnostik aufgestellte Pharmafirma: Roche bot 6,7 Mrd. US-$ für den Life Tech-Konkurrenten Illumina. Im Gegensatz zu den Schweizern war Thermo jedoch erfolgreich. Im Bieterwettkampf ließ die Ostküstenfirma ein Investorenkonsortium um die Blackstone Group, die Carlyle Group und Singapurs Temasek Holding hinter sich, die etwa 12 Mrd. US-$ locker gemacht hätten. Zu den anderen erfolglosen Interessenten gehörten Sigma Aldrich, Roche und Danaher. Um die Kaufsumme zu stemmen, setzt Thermo nun auch auf die Börse. Anfang Juni wurde bekannt, dass 2,2 Mrd. US-Dollar über eine Neuemission erlöst werden sollen. Dies entspräche etwa der Summe, die Thermo noch zusätzlich zum Kaufpreis zum Ablösen von Life Technologies Schulden aufbringen muss.

Analysten sehen dem Deal mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie befürchten, dass Thermo zu freigebig war. Life Technologies ist mit großem Abstand nur Nummer zwei auf dem Sequenzierungsmarkt – und der Rückstand zu Illumina wird derzeit stetig größer. Immerhin: Die Kalifornier sind auch in den Bereichen Tiergesundheit, klinische Forschung, Forsensik, Lebensmittelsischerheit und Bioproduktion aktiv. Da dürften sich auch unabhängig von Ion Torrent-Halbleitersequenzieren Synergien finden. Wie clever der Schachzug war, wird letzten Endes davon abhängen, ob es Thermo gelingt, Life Technologies neues Leben einzuhauchen. Dass der Laborriese weiß, wie Diagnostik geht, hat er jedenfalls in den vergangenen Jahren durchaus eindrucksvoll bewiesen.

Bereits Anfang 2010 zeigten sich die Ergebnisse einer Shoppingtour durch Europa nach der Thermo mit der Übernahme von Finnzymes (Finnland, keine Bekanntgabe finanzieller Details) und Fermentas (Kanada/Litauen, 260 Mio. US-$) das Geschäft mit PCR-Verbrauchsmitteln gefestigt hatte. Seine Analytik-Sparte stärkte Thermo 2010 mit dem Kauf von Dionex Corp. aus Sunnyvale in Kalifornien. Für 2,1 Mrd. US-$ in Barmitteln komplementierte Thermo damit sein Chromatographie-Portfolio. In einer ähnlichen Liga bewegte sich der Deal mit Cinven, einer Investmentfirma mit privatem Beteilingungskapital. Für satte 3,5 Mrd. US-$ wechselte 2011 das schwedische Diagnostikunternehmen Phadia den Besitzer. Phadia stellt Bluttestsysteme für Allergien, Asthma und andere Autoimmunerkrankungen her. 

Ein drittes Standbein

Diese Akquisition nahm Thermo zum Anlass, ein drittes Berichtssegment einzuführen: Spezialdiagnostik. „Dieser Geschäftszweig hat nun mit mittlerweile 2 Mrd. US-$ Umsatz eine signifikante Größe erreicht“, kommentierte Casper den Schritt damals. Außerdem bemühte sich Thermo Fisher 2011 um die Übernahme des Laborbedarfsspezialisten Millipore, zog aber Merck gegenüber den Kürzeren. Das Folgejahr begann deutlich ruhiger. So folgten einzig Mitte 2012 zwei mittelgroße Übernahmen. Für 175 Mio. US-$ wechselte die Doe & Ingalls Management LLC (Durham, USA) unter das Dach von Thermos Laborbedarf- und Dienstleistungssparte. Für One Lambda aus Kalifornien musste Casper immerhin 925 Mio. US-$ auf den Tisch legen. Spätestens mit der Akquisition des Spezialisten für Transplantationsdiagnostik zeichnete sich ab, dass sich Thermos Fokus mehr und mehr auf das Diagnostikgeschäft richtet. So wuchs der Umsatz in diesem Segment von 2011 auf 2012 um 20%. Die Entscheidung ist nachvollziehbar, denn mit einer Gewinnspanne von knapp 26% hängen die Diagnostikprodukte die beiden anderen Segmente deutlich ab (18,7% Analyseprodukte, 14,1% Laborbedarf). Welche Rolle nach der Life-Tech-Übernahme die Gendiagnostik spielen wird, ist noch unklar. Noch hält sich Thermo bezüglich der fälligen Restrukturierung bedeckt.

© laborwelt.de/ml

27.03.2013 Obwohl Corning Inc. aus den USA den Löwenanteil seines Umsatzes mit Spezialgläsern für LED-Displays macht, bleibt der Laborbedarf auch weiterhin wichtig für das Unternehmen. Ein Indiz dafür ist die Übernahme der Sparte „Discovery Labware“ von Becton, Dickinson und Co. (BD), die den Mischkonzern zur Nummer 1 für Kunststoffgefäße für die Zellkultur macht. Angekündigt vor einem Jahr, war der Kauf für 730 Mio. US-$ schließlich Anfang November 2012 über die Bühne gebracht.

Behälter, Beschichtungen, Medien – bei Corning alles aus einer Hand

In den Geschäftsberichten der Vorjahre tauchte der Name Becton Dickinson neben Schott, Greiner und Kimble noch als Hauptwettbewerber auf, jetzt ist Corning die Marktbereinigung gelungen und bekannte BD-Marken wie Falcon oder Matrigel gehören zur Corning-Familie. 

Farbkonstante Gläser für die Eisenbahn

Die Wurzeln des US-Unternehmens reichen bis ins Jahr 1851 zurück. In Somerville, Massachusetts, konzentrierte sich der Gründer Armory Houghton mit seinen Söhnen zunächst auf die Produktion von farbkonstanten Gläsern für die Signalanlagen der Eisenbahn. Nach wechselvoller Geschichte – einschließlich eines Umzuges der Firma in die namensgebende Stadt Corning im Bundesstaat New York – produzierte die Firma zunehmend Nischenprodukte aus Glas und Keramik. Als während des Ersten Weltkriegs deutsche Glaswaren für den wissenschaftlichen Bedarf ausblieben, sprang Corning ein. Einen großen Anteil am Erfolg hatte die Entwicklung von Pyrex, einem bleifreien Borosilikatglas. Pyrex-Glas wurde als hitzeresistentes Material für den Einsatz in der Küche vermarktet – und zu Laborwaren wie Röhrchen, Kolben oder optischem Zubehör verarbeitet. In den siebziger Jahren ergänzten Medizingeräte wie pH-Elektroden aus Glas und Blutgasanalysesysteme das Portfolio – und erste Plastikprodukte wurden entwickelt. Spätestens seit der Übernahme der Costar Corp. 1993 ist die Angebotspalette auch bei den Artikeln aus Kunststoff nahezu lückenlos. Das Allzeithoch der Aktie im Jahr 2000 geht allerdings nicht auf die Biomedizin-Sparte zurück: Dank einer Zusammenarbeit mit Siemens unter dem Kürzel Siecor profitierte Corning vom Glasfaserkabelboom um die Jahrtausendwende. Mit dem Abebben des Geschäftes „Optische Telekommunikation“ wandte sich Corning wieder vermehrt der Life Sciences-Sparte zu. 2009 übernahm die Firma für 400 Mio. US-$ die Aktien des kalifornischen Laborkunststoffspezialisten Axygen BioScience Inc., 2010 folgte der Kauf aller Aktien des französischen Laborplastikwarenherstellers Plastiques Gosselin S.A.S., 2011 wurde schließlich der Labormedienproduzent Mediatech Inc. (USA) einverleibt. Seitdem kann Corning erstmals auch Medien für die Zellkultur sowie Reagenzien für Gewebe- und Zellkulturanwendungen anbieten. Für Richard Eglen, Geschäftsführer Corning Life Sciences, gehören Übernahmen in den Biowissenschaften zur Tagesordnung. Die eigene Strategie unterscheide sich aber von der der Konkurrenten: „Wir kaufen strategischer und zielgerichteter“, sagt er.

Das 1-Milliarden-Ziel in Sichtweite

Bei der Akquisition der BD-Sparte intervenierte zunächst die US-Handelskommission. Auf dem Gebiet der gewebekulturbehandelten Kulturgefäße entstünde nach der Fusion ein Monopol, monierte sie. Die auferlegte Bedingung für die Zustimmung: Corning muss bestimmte Aktiva an den Wettbewerber Sigma Aldrich weiterreichen. Nach dem erfolgreichen Abschluss mit BD hat sich Corning nun vier Produktfamilien ins Haus geholt: eine weitere Produktionsschiene für Laborgebrauchsgüter aus Kunststoff, Geräte für die Handhabung von Flüssigkeiten, zellbasierte Assays und Zellkulturprodukte. Der Geschäftsführer und Vorsitzende des Corning-Vorstands, Wendell Weeks, machte klar, dass es in der Sparte Biowissenschaften bei Corning ein solch großes Geschäft noch nie gegeben habe: „Mit Verkaufserlösen von 235 Mio. US-$ wird die Übernahme den Umsatz dieses Corning-Bereichs um 40% ausweiten. Damit kommen wir unserem selbstgesteckten Ziel näher, bis 2014 die Sparte auf 1 Mrd. US-$ an Umsatz auszubauen.“ Auf dem Weg dorthin stellt eine Nachzahlung einen Rückschlag dar – wenn dieser auch eher moralischer als wirtschaftlicher Natur sein dürfte. Der umstrittene Vorwurf, Corning habe 2005 Laborprodukte an Regierungsbehörden zu überhöhten Preisen verkauft, wurde Mitte März gegen die Zahlung von 5,65 Mio. US-$ fallengelassen. 

© laborwelt.de/ml

30.01.2013 Ständiger Preisdruck und eine Vielzahl neuer Technologiealternativen – für Illumina Inc. aus San Diego, einen der Pioniere der DNA-Sequenzierung, heißt es achtsam zu sein. Wichtig genug, um das Interesse der Global Player zu wecken, ist die Firma schon. Jetzt wird sie sich ihrer eigenen Kraft bewusst und will durch Übernahmen im Gendiagnostik-Markt wachsen.

HiSeq FlowCell von Illumina

Fressen oder gefressen werden – gegenüber dem Markt für Sequenzierungsspezialisten erscheint ein Haifischbecken derzeit eher wie ein Kinderaquarium. Das US-Schwergewicht Illumina schwimmt nicht nur ansehnlich mit, sondern scheint an so ziemlich jedem wichtigen Manöver beteiligt zu sein. Vor etwa einem Jahr, am 26. Februar 2012, sah sich die Firma einem Übernahmeangebot des Schweizer Pharmarie-sen Roche gegenüber. Illuminas Management war überrumpelt, strampelte sich in der Folge aber schnell frei. Trotz einer Erhöhung des Übernahmepreises durch Roche von 44,5 US-$ auf 51 US-$ je Aktie zwei Monate später hielten die Aktionäre Illumina die Stange. Auch die Plazierung von Roche-Kandidaten in den Illumina-Verwaltungsrat über eine extra einberaumte Aktionärsversammlung schlug fehl. Roche drehte mit hungrigem Magen ab. 

Die Beharrlichkeit der Schweizer hängt mit einem Strategiefehler zusammen: 2007 kaufte der Konzern die Sequenzierungstechnologie von 454 Life Sciences – und setzte damit in Sachen Markterfolg aufs falsche Pferd. Erst den Fuß drin, nun aber nur eine wunde Nase: Illuminas Tür ist endgültig zugeknallt, was auch Roches Verwaltungsratspräsident Franz Humer zum Jahreswechsel bestätigte: „Der Deal ist vom Tisch.“ Zwar ist Illuminas Technologie derzeit weltweit führend, doch dessen Vorstandsvorsitzender Jay Flatley möchte Roches Fehler vermeiden. Dank der Investitionen 2009 (18 Mio. US-$), 2010 (an 28 Mio. US-$-Runde beteiligt) und 2011 (an 41 Mio. US-$-Runde beteiligt) hält Illumina 15% der britischen Firma Oxford Nanopore. Analysten zufolge könnte Oxford der neue, fesche Hecht im Becken sein. Illumina ist an der Entwicklung der noch in Arbeit befindlichen Exonuklease-Sequenzierung beteiligt. Bereits vermarktet wird die Schwestertechnologie, die Strangsequenzierung. Beide Methoden beruhen auf bakteriellen Poren, durch die die zu sequenzierende DNA entweder Base für Base oder gleich strangweise geschleust wird. Durch eine basenabhängige Veränderung des Stromflusses wird die Basenfolge direkt ausgelesen. Schnell und billig – wäre da nicht das Problem mit der Fehlerrate, hätte Illumina wohl schon längst einen Wettbewerber mehr. Derzeit ist Oxford etwa 1 Mrd. US-$ wert, Illumina nach der Abfuhr für Roche in den Augen des eigenen Managements deutlich mehr als die gebotenen 6,5 Mrd. US-$. 

Angebotspalette auffüllen

Wie sich Illumina in Zukunft schlägt, hängt vor allem auch von der Entwicklung des Sequen-zierungsgeschäfts insgesamt ab. Derzeit hängt Illumina vor allem an einem Tropf, dem Staat. Verkäufe an Regierungsinstitutionen und Universitäten machen etwa 70 Prozent der Erlöse aus. Life Technologies, einer der Konkurrenten, besitzt historisch bedingt ein Produktportfolio, das über das – derzeit stark unter Druck geratene – Sequenzierungsgeschäft hinaus geht. Das Illumina-Management hat diese Gefahr einer einseitigen Abhängigkeit erkannt. Vor allem die Diagnostik soll‘s richten. Der Gendiagnostikmarkt ist derzeit allein in den USA 5,6 Mrd. US-$ schwer – und soll Analysen des US-Gesundheitsversicherers UnitedHealth Group Inc. zufolge innerhalb der nächsten zehn Jahre auf 25 Mrd. US-$ wachsen. Illumina ist somit nicht nur Gejagter, sondern auch Jäger. 2012 wurde die britische BlueGnome Ltd. von Illumina einverleibt, vor wenigen Wochen dann Verinata Health Inc. aus Kalifornien. BlueGnome bietet IVF-Tests für die Bestimmung genetischer Anomalien an, mit dem Verinata-Know-how können chromosomale Anomalien des heranwachsenden Fötus bereits über eine Blutprobe der Mutter bestimmt werden.

Den Mund zu voll genommen

Dass bei einem Raubzug nicht immer alles nach Plan läuft, durfte Illumina Ende Dezember erleben. Die chinesische BGI-Shenzhen bot 118 Mio US-$ für den kalifornischen Sequenzierungsdienstleister Complete Genomics. Illumina bot 6 Mio US-$ mehr – und kam dennoch nicht zum Zug. Mit heißer Nadel gestrickt, beinhaltete Illuminas Angebot auch einen millionenschweren Überbrückungskredit. Complete war das zu unsicher. Flatley zeigte im Übernahmekampf Biss, übertrieb es aber dabei: Keinen Deut besser als Roche zündete auch Illumina eine stattliche Nebelkerze. Ein Sequenzierservice in gelben Händen bedrohe die nationale Sicherheit und bedürfe daher einer besonderen staatlichen Überprüfung. Sogar von Biowaffen, die auf die Genome von US-Bürgern maßgeschneidert werden könnten, war an anderer Stelle die Rede. Das Interesse Illuminas dürfte vor allem auf die zwei offenen Patentstreitigkeiten mit Complete zurückzuführen sein. Das eigentliche Geschäftsfeld des Übernahmekandidaten, Genomanalysen gegen Bares, wird zwar auch von Illumina selbst beackert, taucht allerdings nicht als Extraposten im Unternehmensbericht auf. Für Analysten ist klar:, dass es da nur um unbedeutende Summen geht. Fakt ist aber auch: Der überschaubare Kundenstamm von Complete rechtfertigt keinesfalls solch eine hartnäckige Jagd. Der Stand zu Redaktionsschluss am 23. Januar sieht BGI in Front. Mit 86% angedienten Aktien fehlen noch 4%, um die Fusion durchzudrücken. Es hat den Anschein, dass dieses Mal Illumina hungrig zurückbleibt.

© laborwelt.de/ml

22.08.2012 Der US-amerikanische Technologie-Spezialist Danaher hat bereits mehr als 400 Übernahmen abgewickelt. Vor fünf Jahren kaufte sich der Konzern in die Life Sciences ein. Bisheriger Höhepunkt: die Übernahme von Beckman Coulter. Wenn es nach CEO Larry Culp geht, war das jedoch nicht der letzte Streich.

Laut Washington Post mit 21,6 Mio. US-$ im Jahr einer der bestbezahlten CEOs der börsennotierten US-Unternehmen: Larry Culp (49).

Was haben Leica, AB Sciex und Beckman Coulter gemeinsam? Sie alle gehören zum Danaher-Konzern, der hierzulande kaum bekannt ist. Dabei machen die US-Amerikaner pro Jahr einen Umsatz von mehr als 16 Mrd. US-$ und sind mit rund 35 Mrd. US-$ an der Börse bewertet – ein Riese also, der Branchengrößen wie Thermo (Umsatz: 12 Mrd. US-$, Marktkapitalisierung 20 Mrd. US-$) oder Life Technologies (3,7 Mrd. US-$/8 Mrd. US-$) locker übertrumpft. In Internetforen wird Danaher schon als nächste General Electric gehandelt. 


Life Sciences für den Mischkonzern

Genauso wie der US-Technologiekonzern ist Danaher ein echter Gemischtwarenladen. Zum Konzern gehören mehr als 400 Marken und Unternehmen. Darunter befinden sich vor allem in den USA bekannte Werkzeughersteller wie Armstrong oder Craftsmen oder auch Fluke, ein Marktführer im Bereich der Kalibrierungssysteme in der Elektronik. 

Der Einstieg in die Life Sciences glückte dem Unternehmen in Washington mit dem Kauf der deutschen Leica Microsystems. Im Jahr 2005 ließen sich die Amerikaner den Optik-Spezialisten in Wetzlar 440 Mio. Euro kosten. Es folgte der Einstieg in die Massenspektrometrie mit der Übernahme von AB Sciex für 1,1 Mrd. US-$ im Jahr 2009 sowie der Kauf des Instrumentations- und Reagenzienspezialisten Molecular Devices. 

Im vergangenen Jahr krönte Danaher seine Life Sciences-Aktivitäten und ging mit einem Gebot über 5,8 Mrd. US-$ als Sieger aus der Übernahmeschlacht um Beckman Coulter hervor. Seitdem stehen Life Sciences und Diagnostik vor Messtechnik, Umwelt, Industrietechnologie und Dentalapplikationen mit einem Spartenumsatz von 6,4 Mrd. US-$ ganz oben im Konzern. Danaher setzt auf direkten Vertrieb. Nur zu einem geringen Teil erfolgt der Verkauf über Distributoren. Auch die Herstellung wird global auf vier Kontinenten unternommen – Europa, Asien, USA und Australien. Allein in Deutschland sind rund 8.000 Angestellte beschäftigt. Immer lässt der Konzern statt seinem eigenen den Markennamen den Vortritt. So sind Leica Microsystems, AB Sciex, Molecular Devices und Beckman Coulter auch heute noch ein Begriff in vielen Laboren. Mit einem Umsatz von etwa 950 Mio. US-$ ist die akademische Forschung noch vor Pharmakunden (500 Mio. US-$) und Kliniken (180 Mio. Euro) der wichtigste Absatzmarkt für Danahers Forschungsprodukte. Diese bestehen hauptsächlich aus Instrumenten (80%) und weniger Verbrauchsmaterialien und Services (20%). In der Diagnostik ist das Bild genau andersherum: zu 75% werden Verbauchsmaterialien und nur zu 25% In-strumente verkauft. 


Restrukturierung steht an

Doch auch ein Riese bleibt nicht von schlechten Nachrichten verschont. So musste CEO Larry Culp bei der Präsentation der Quartalszahlen im Juli die Jahresprognose kassieren und Restrukturierungsmaßnahmen ankündigen. Zwar verdoppelten sich die Umsätze im Life Sciences-Bereich dank des Kaufs von Beckman. Konzernweit sank der Gewinn jedoch im zweiten Quartal um knapp 50 Mio. Euro. Ein Alarmzeichen für das Management. So sei der US-Markt zwar stark. Mit einem Viertel der Umsätze ist Danaher aber auch von der wirtschaftlichen Situation in Europa abhängig. „Essentially flat“ beschreibt der Konzern die Nachfrage in diesen Märkten. Und so kommt es wie es kommen muss: Das Management setzt das Wörtchen Sparen ganz oben auf die Agenda. Gleichzeitig, auch das ist nicht überraschend, werden Übernahmen angepeilt. Budget dafür in den kommenden zwei Jahren: 5 Mrd. US-$.

© laborwelt.de/pd

21.06.2012 Der US-amerikanische Immundiagnostik-Spezialist Bio-Rad könnte bald das „Verkaufen“-Schild ins Fenster hängen. Gerüchte an der Börse halten sich. Der Familienbetrieb in den USA könnte damit das nächste Übernahmeziel werden. Interessenten für den seit Jahrzehnten etablierten Laborkonzern gibt es offenbar genügend.

Verstorbener Bio-Rad-Gründer Schwartz und sein wohl bekanntestes Produkt

Der Firmengründer von Bio-Rad stirbt, und an der Börse steigt der Kurs des Unternehmens. So feiert der Kapitalmarkt üblicherweise die Demission eines erfolglosen Managers, aber doch nicht den Tod eines Firmenkapitäns, der sein Unternehmen erfolgreich mehr als ein halbes Jahrhundert kommandiert hat.

Mit annähernd 7.000 Mitarbeitern gehört die US-amerikanische Bio-Rad Laboratories Inc. zu den etablierten Playern im Laborgeschäft. Die Angebotspalette ist beeindruckend: Das Unternehmen erwirtschaftet rund 2 Mrd. US-$ Umsatz mit mehr als 5.000 Life-Sciences-Produkten, etwa 3.000 kommen noch einmal im zweiten Geschäftsfeld, der klinischen Diagnostik, hinzu. In der Elektrophorese und bei Protein-Assays gehört das Unternehmen zu den Marktführern. 

Auch Bio-Rads Produkte für die PCR, die Chromatographie oder die Gel-Imageanalyse werden in mehr als 100.000 Laboren auf der ganzen Welt gefunden. Unter Analysten erfreut sich das Unternehmen eines guten Rufs. Seit 1994 konnte Bio-Rad den Gewinn in jedem Jahr steigern. Heute betragen die Profite 406 Mio. US-$. Der Aktienkurs spiegelt diese gute Entwicklung wider. Der Wert des Unternehmens verdreifachte sich in den vergangenen zehn Jahren. Unter dem Kürzel „BIO“ wird das Unternehmen mit rund 2,7 Mrd. US-$ an der New Yorker Börse bewertet. Auch eine Beteiligung an der Göttinger Sartorius AG in Höhe von mehr als 30% gehört zum Vermögen. Dennoch ist das Unternehmen ein mittelgroßer Player im Labormarkt. Nur die Aktienmehrheit der Familie Schwartz verhinderte, dass die Firma zu den heißen Übernahmekandidaten zählt.

Um Bio-Rad zu verstehen, muss man in das Jahr 1952 zurückgehen. Der Legende nach saßen David Schwartz und seine Frau Alice beim Bridge als sich eine Diskussion über Produkte entspann, die der Markt braucht, aber niemand herstellt – wie etwa das Tabakmosaikvirus, das Alice für ihre Forschungsarbeiten in Berkeley verwendete. Gesagt – getan, noch im selben Jahr wurde Bio-Rad gegründet als Lieferant für Werkzeuge, die in der Forschung im Labor angewendet werden. Die Idee war gut. Die Firma wuchs. Ende der sechziger Jahre stieg Bio-Rad in die klinische Diagnostik ein. Es folgten weitere Akquisitionen. 1999 kauften die Amerikaner das Diagnostik-Geschäft von Sanofi-Pasteur. Anfang des neuen Jahrtausends war eine Zeit des Aufräumens. So wurden das Halbleitergeschäft, die Optoelektronik, Meteorologie- und Mikroskopie-Produktlinien veräußert. Im Jahr 2007 wurde dafür die Schweizer Diamed Holding AG zugekauft, ein Spezialist für Hämatologie. 

It‘s all family business

All das geschah unter der Ägide eines familiengeführten Managements, das die Geschicke der Firma bis heute bestimmt. Doch das Fundament beginnt zu bröckeln. Firmengründer und Chairman David Schwartz verstarb im April dieses Jahres, seine Frau Alice – ebenfalls Aufsichtsratsmitglied – ist 85. Ihr Sohn Norman, Chief Executive Officer von Bio-Rad, ist auch schon 62. Freiwillig würden sie die Firma, die ihr Leben geprägt hat, wohl nicht verkaufen. Der Druck von Aktionären steigt jedoch. Mit dem 7,4-fachen des Gewinns ist Bio-Rad an der Börse im Vergleich zu anderen Laborzulieferern recht preisgünstig bewertet. Ein Bieterkampf um eine mögliche Übernahme könnte das ändern. Und im Aufsichtsrat von Bio-Rad sitzen mächtige Investoren, unter anderem Jerome Dodson, Chef des 6,1 Mrd. US-$-schweren Parnassus-Fonds. Sie könnten geneigt sein, ihre Anteile zu versilbern. Doch eine Mehrheit gibt es nur mit den Aktien der Familie. Zu den Interessenten gehören die üblichen Verdächtigen wie Life Technologies oder Thermo Fisher. Beide Konzerne haben die passende Größe, sind chronisch Übernahme-hungrig und befinden sich auf dem Weg, die gesamte Produktpalette in Life Sciences und Diagnostik abzudecken. Niemand kennt die Schmerzgrenze der Käufer – allerdings auch niemand die der Familie Schwartz.

© laborwelt.de/pd

19.03.2012 Milliardenschwere Übernahmen sind gang und gäbe im Labormarkt. Grund genug, in dieser LABORWELT-Serie einen Blick auf die wichtigsten Akteure, ihre Strategien und Deals zu werfen. Die US-Firma Hamilton hat seit 1966 einen Ableger in der schweizerischen Bergwelt. Damals wurde dem Firmengründer Clark Hamilton im 3.000-Seelen-Örtchen Bonaduz eine ehemalige militärische Truppenunterkunft als Grundlage für seinen Europastandort angeboten. Hamilton schlug ein und heute beschäftigt der Standort mehr als die Hälfte der Belegschaft Unternehmens. Zuweilen wird Bonaduz auch als heimlicher Hauptsitz von Hamilton apostrophiert. Der Aufschwung wird vor allem durch das Geschäft mit Robotern für den Life-Sciences-Bereich befeuert. Mittlerweile kommen Lösungen für die Automation von Laboraufgaben nicht nur in Pharmafirmen zum Einsatz, sondern auch im akademischen Umfeld. Obwohl die Firma in der Vergangenheit vor allem organisch gewachsen ist, scheut sie gezielten Zukäufe nicht. Erst im Januar stärkte Hamilton seine Sensorsparte mit dem Kauf kapazitiver Biotech-Sensoren von der französischen Firma Fogale.

Ende November 2013 vermeldete die Hamilton Bonaduz AG einen Rekordumsatz für das abgeschlossene Geschäftsjahr. Die im bündnerischen Bonaduz sesshafte Firma ist Teil der Hamilton-Gruppe. Diese ist mit 1.500 Mitarbeitern und 40 Niederlassungen und Vertriebsunternehmen global präsent. Geforscht wird am Standort Bonaduz, dem Hauptsitz in Reno im US-Bundesstaat Nevada und in Franklin im US-Bundesstaat Massachusetts. Was Umsätze und Gewinne angeht, hält sich die 1956 gegründete und in Familienbesitz befindliche Firma bedeckt – telefonische Nachfragen werden freundlich aber bestimmt abgeblockt.
Basis des Firmenerfolges war eine Idee des Gründers Clark Hamilton im Jahre 1947. Der Chemieingenieur entwickelte damals die erste Mikroliterinjektionsspritze. Bereits in den 70er Jahren bot die Firma halbautomatische Verdünnungsgeräte an, 1980 kam die erste vollautomatische Arbeitsstation für die Probenaufarbeitung dazu. Inzwischen gehört die Firma den vier Söhnen des Gründers. Treiber der Unternehmensentwicklung war indes vor allem der Schweizer Standort, der relativ eigenständig auftritt. Die Hamilton-Familie soll hier im Gegensatz zu ihren US-Firmen nur begrenzt operativ aktiv sein, heißt es. Aus der Ex-Truppenunterkunft wurde ein weitläufiges Firmengelände. Kaum ein Jahr, in dem keine Erweiterung ins Haus stand. Mittlerweile arbeiten in dem Örtchen am Rhein knapp 850 Mitarbeiter. Um dem wachsenden Platzbedarf gerecht zu werden, plant die Firma 2014 einen weiteren Neubau in Bonaduz. Andererseits wird aber auch in Rumänien expandiert. Dort ist bis 2015 der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Billigprodukte geplant.

Zuwachs für die Sensorsparte
Die Hamilton-Gruppe konzentriert sich auf vier Hauptgeschäftsfelder: Der mit Abstand größte Zweig ist die durch Hamilton Robotics bediente Laborautomation. Hamilton Medical kann dem Wirtschaftsbereich Medizintechnik zugerechnet werden, Hamilton Lab & Sensors der klassischen Laborausrüstung und Hamilton Storage Technologies dem Bereich Biobanken. Viele Bereiche werden parallel durch eine der Mutter in Reno zugehörige Firma und einer Tochter der Hamilton Bonaduz AG bedient. Das jüngste Geschäftsfeld der Gruppe sind die Storage Technologies, die auf den Kauf des Geschäftsbereiches Tekcel des Biotech-Spezialisten Magellan Biosciences Anfang 2007 zurückgehen. Der Bereich entwickelt technische Lösungen für das laborinterne Probenmanagement und die Probenlagerung – für Röhrchen und Mikrotiterplatten bestückt mit biologischen oder chemischen Proben. Zentraler Fokus ist der Ultratieftemperaturbereich. Für Hamilton Bonaduz‘ CEO Andreas Wieland damals ein logischer Schritt: „Beide Unternehmen sind in der Automatisierungstechnik für Laboratorien führend. Die Tekcel-Technologie kann dabei wunderbar in unsere Liquid Handling-Arbeitsstationen integriert werden.“
Die Stärkung der Lab & Sensors-Sparte mit den Online-Messtechnologien von Fogale soll vor allem das Biopharma-Geschäft ankurbeln helfen. Seit Anfang Februar führen sie Fogales kapazitive Sensoren und Sensoren zur Messung der optischen Dichte in ihrem Portfolio. Für alle Firmen, die lebende Zellen in ihren Reaktoren überwachen müssen, sind das kritische Parameter. Hamilton Bonaduz sei derzeit der einzige Hersteller, der alle Sensoren zur Kontrolle dieser Kenngrößen in Forschung und Entwicklung, Prozessentwicklung sowie Produktion aus einer Hand anbiete, so ein Firmensprecher. Auch die neu erworbene Einwegtechnologie für Kapazitätsmessungen dürfte beim derzeitigen Boom der Einwegbioreaktoren eine gewichtige Rolle bei der Kaufentscheidung gespielt haben. Finanzielle Details des Geschäfts wurden nicht veröffentlicht.

Vorherige Seite1/2Nächste Seite

© 2007-2014 BIOCOM

http://www.laborwelt.de/aktuelles/firmen-im-fokus/hausaufgaben-fuer-den-neuen-chef.html

Produkt der Woche

Alle Produkte

Presseschau

Nachrichten

Alle Nachrichten