Hausaufgaben für den neuen Chef
Die Tecan AG hat sich in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet und sich auch als Komponenten-Zulieferer etabliert. Nach einem Höhenflug an der Börse bremsen jetzt jedoch Projektverzögerungen die hochfliegenden Erwartungen.
Mehr als verdreifacht hatte sich die Aktie des Schweizer Laborausrüsters Tecan AG vom Tief im Jahr 2009. Seitdem schien das Unternehmen mit Sitz in Männedorf bei Zürich sich in einem unaufhaltbaren Höhenflug zu befinden. Der Börsenwert überschritt erstmals seit langem wieder lässig die 500 Mio. Euro-Grenze. Im Sommer verließ den Spezialisten für Laborautomation jedoch der Erfolg, und zwar ohne dass er etwas dafür gekonnt hätte.
OEM-Projekt verschiebt sich
Denn Tecan produziert nicht nur eigene Geräte, sondern tritt auch als OEM-Partner auf. Als sogenannter Originial Equipment Manufacturer liefert das Unternehmen Komponenten für Geräte Dritter zu. Die werden jedoch nur gebraucht, wenn der Kunde den entsprechenden Erfolg mit seinem Gerät hat. Im Falle des großangekündigten "P14"-Projektes, das nach Analystenschätzung im kommenden Jahr für 12 Mio. Schweizer Franken Umsatz sorgen sollte, wurde Tecan eine verzögerte Produkteinführung zum Verhängnis.
Tecan-Chef vor Abschied
Die anvisierten Verkäufe für das kommende Jahr schrieben die Analysten ab. Solche Überraschungen schätzt die Börse gar nicht. Parallel dazu musste Tecan vermelden, dass sich ein Wechsel in der obersten Führung anbahnt. Nach rund sechs Jahren im Amt soll der Vorstandsvorsitzende Thomas Bachmann ersetzt werden. In seiner Amtszeit hatte sich der Kurs des Unternehmens mehr als verdoppelt, genauso wie der Umsatz, der auf 370 Mio. CHF im vergangenen Jahr stieg. Gründe für das Ausscheiden des 52-jährigen CEOs wurden nicht genannt. Sein Vertrag, der turnusgemäß am 31. Oktober dieses Jahres endet, wird nicht verlängert. Bei Anlegern weckt das unschöne Erinnerungen, denn vor Bachmanns Ernennung im Jahr 2005 gehörte eine regelmäßige Chefdebatte quasi zum Tagesgeschäft in Männedorf. Zudem verzettelte sich die Firma Anfang des Jahrtausends mit zahlreichen Übernahmen. Auch Bachmann hatte sich mit dem Kauf des Probenlagerungsspezialisten REMP verspekuliert. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen mit zweistelligem Millionenverlust verkauft. Unter Analysten gilt Bachmann jedoch als derjenige, der das Unternehmen auf Kurs und zwei Kernbereiche ausgerichtet hat. Immer wieder wurde Tecan selbst als Akquisitionsziel gehandelt.
Laborzulieferer mit eigenen Produkten
Im OEM-Bereich liefert Tecan Komponenten zu, die von Partnern im Bereich Labor, Diagnostik oder Forensik verkauft werden. Die Schweizer treten aber auch als Verkäufer eigener Systeme auf. Bekannt sind vor allem die automatisierten Liquid-Handling-Systeme aus der Freedom-EVO-Serie. Aber auch Mikroplatten-Auslese- und Waschgeräte sowie Microarray-Scanner gehören zum Programm des Life Sciences-Spezialisten.
Geographische Expansion und neue Geräte im Fokus
Will Tecan als eigenständiges Unternehmen am Markt erfolgreich bleiben, hat der Nachfolger von Thomas Bachmann einige Hausaufgaben zu erledigen. Denn derzeit erwirtschaftet Tecan kaum mehr als 10% des Umsatzes in Asien. Die Verkäufe in anderen Regionen wie etwa Südamerika oder dem Nahen Osten werden gar nicht erst einzeln aufgeschlüsselt. Bei deren Eroberung sollen auch neue Produkte wie etwa eine neue Liquid Handling-Plattform helfen, die derzeit als größtes Projekt in der Tecan-Geschichte entwickelt wird.




