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Krebszellen manipulieren Blutgefäß-Pförtner
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Forschung

Krebszellen manipulieren Blutgefäß-Pförtner

Wie mit kleinen Greifarmen hält das grünblaue Gebilde das Zielobjekt fest umklammert. Zu sehen ist ein Tumor, der sich in neues Gewebe frisst. Forscher deckten jetzt erstmals den Mechanismus hinter der tödlichen Einwanderung auf: Die Tumorzellen tricksen bestimmte Pförtnerrezeptoren von Blutgefäßen aus.

Ein Verbund von Forschern aus München und Zürich konnte jetzt zeigen, wie sich metastasierende Krebszellen aus der Blutbahn in verschiedene Organe einschleusen. Die Ergebnisse ihrer Forschungen haben sie im Fachmagazin Cancer Cell veröffentlicht. Um aus dem Blut in bestimmte Gewebe einzudringen, senden die Tumorzellen bestimmte Botenstoffe (Chemokine) aus. Diese Botenstoffe docken an Zellen der inneren Blutgefäßwände an und aktivieren dort einen bestimmten Rezeptor. Dieser wirkt wie ein Pförtner. Durch seine Aktivierung ziehen sich die Zellen zusammen und ermöglichen so den Tumorzellen durch die Gefäßwand zu schlüpfen.

Die Forscher sind überzeugt, dass ihre Ergebnisse Ansätze für ganz neuartige Krebstherapien liefern könnten. "Der entdeckte Mechanismus wird einen völlig neuen Ansatz liefern für die Entwicklung von Medikamenten zur Bekämpfung von Metastasen bei Brust-, Prostata- und Darmkrebs", so Lubor Borsig von der Universität Zürich. Denkbar ist, die Chemokin-Ausschüttung des Tumors zu unterdrücken oder den Pförtner für das Tumor-Chemokin zu blockieren, so dass keine Krebszellen mehr aus der Blutbahn in das gesunde Gewebe gelangen. "Wenn es gelingt, die Krebszellen am Verlassen der Blutbahnen zu hindern, kann die Metastasierung direkt am Ursprung bekämpft werden", erläutert Borsig.

Die Wissenschaftler nutzten Darmkrebsgewebe und Darmkrebs-Zelllinien von Mäusen und Menschen als Modell für ihre Versuche. Die gewonnenen Erkenntnisse wollen sie weiter vertiefen und die Übertragbarkeit des neuen Konzepts auf andere Krebsarten prüfen. Weltweit sterben jedes Jahr mehr als sieben Millionen Menschen an Krebs. Dank wirksameren Therapien und besserer Früherkennung sind in den Industrienationen die Primärtumore nur noch für zehn Prozent der Krebstoten verantwortlich. Die überwiegende Mehrheit stirbt heute an den Folgen von Metastasen.

laborwelt.de/al

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