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Dem mysteriösen Koala-Virus auf der Spur
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Forschung

Dem mysteriösen Koala-Virus auf der Spur

Nicht nur das Schrumpfen ihres natürlichen Lebensraumes, auch ein rätselhaftes Virus stellt für Australiens Koalas seit einigen Jahren eine echte Bedrohung dar. Ein Retrovirus schwächt das Immunsystem der Beutelbären. Die Folge: Bakterieninfektionen, die zu Blindheit und Sterilität führen können. Analysen von Koala-Häuten aus Museen förderten nun überraschende Erkenntnisse zum Ursprung des Virus zu Tage. 

Sie scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können: Koalas. Australiens Beutelbären  schlafen bis zu 20 Stunden am Tag und übertreffen mit ihrem übermäßigen Schlafbedürfnis sogar noch Faultiere. Um die trägen Koalabären herrscht in Expertenkreisen jedoch seit einigen Jahren große Aufregung. Immer mehr erblindete oder unfruchtbare Koalas wurden in den Wildparks oder Zoos registriert. Die Ursache konnten Forscher über genetische Analysen ausmachen: das Koala-Retrovirus (KoRV). Ähnlich wie das HI-Virus schwächt es das Immunsystem ihrer Träger und macht sie so für Infektionen anfällig. Mehr noch: die Retroviren können sich auch in das Keimzellenerbgut von Koalas integrieren und werden so direkt in die nächste Wirtsgeneration weitergegeben. Der Koala ist die einzige bekannte Tierart, bei der dies bisher beschrieben werden konnte. 

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun anhand von historischen Koala-Häuten aus dem späten 19. und 20. Jahrhundert versucht, den geschichtlichen Ursprung von KoRV auszumachen. Die Forscher aus Deutschland, Australien und den USA konnten von den Häuten DNA isolieren und sequenzieren. Das überraschende Ergebnis: eine 120 Jahre alte Museumsprobe offenbarte, dass der Koala-Retrovirus bereits zu dieser Zeit im Norden Australiens weit verbreitet war. Darüber hinaus haben sich die Virus-Sequenzen bis heute nur geringfügig verändert. Das Forscherteam veröffentlichte seine Ergebnisse am 14. September im Fachjournal Molecular Biology and Evolution.

Die Wissenschaftler vermuteten bisher, dass es sich bei KoRV um ein neuartiges Virus handelt, da das Retrovirus vor allem bei Koalas im nördlichen Teil Australien weit verbreitet ist, der Anteil an infizierten Koalas im Süden hingegen drastisch abnimmt. Die neuen DNA-Analysen der Koala-Häute sprechen aber dagegen: vermutlich haben sich die Koalas schon viel früher als bisher angenommen mit dem Virus infiziert. KoRV hat sich aber anscheinend innerhalb der Koalapopulation nur sehr langsam ausgebreitet. "Unsere Annahme war, dass das Koala-Retrovirus weniger verbreitet war, je weiter wir in der Zeit zurückgingen. Aber die Ergebnisse der Studie zeigten uns, dass es schon uralt sein muss", erläutert der Leiter der Forschungsgruppe Alex Greenwood vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Laut den Forschern könnte das KoRV  mehrere tausend bis zu zehntausend Jahre alt sein. KoRV und das HI-Virus gehören beide zur Gruppe der Retroviren (Kreidezeit: Virusarten). Diese speichern ihre Erbinformation in Form von Ribonukleinsäure (RNA) und schreiben sie mithilfe eines Enzyms – der Reversen Transkriptase – in Desoxyribonukleinsäure (DNA) um, so dass diese ins Erbgut der Wirtszelle eingebaut werden kann.

laborwelt.de/al

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