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Das „Post-it“ der Spinnen
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Forschung

Das „Post-it“ der Spinnen

Fliegende oder am Boden laufende Beute? Für die auch in Mitteleuropa weit verbreiteten Gewächshausspinnen ist das gar keine Frage. Sie wollen beides. Biologen und Werkstoffwissenschaftler der Universität in Akron (USA) haben entdeckt, dass sich die Verankerung der Spinnennetze je nach gewünschter Beute ändert. Für Flugobjekte wird das Netz stabil am Untergrund befestigt, für Laufobjekte nur locker. Die fliegende Beute soll sich im Netz verheddern. Die laufende Beute wird hingegen mit einer Art Falle ausgetrickst: Wird das locker befestigte Netz berührt, schnellt es hoch und umwickelt die Beute. Wie genau die Befestigungen aussehen, beschreiben Vasav Sahni und seine Kollegen in einem Anfang Oktober im Fachorgan Nature Communications erschienenen Artikel.

Wenn etwas richtig gut befestigt werden soll, dann greifen wir zu Bohrer, Dübel und Schraube. Wenn es hingegen nur kurze Zeit halten muss, dann tut es oft auch ein Klettverschluss oder ein Klebeband. Gewächshausspinnen (Parasteatoda tepidariorum) haben auch zwei Verankerungsmethoden für ihre Netze im Repertoire: Zum einen können sie die Netze bombenfest an den Untergrund heften, wenn es um fliegende Beute geht. Zum anderen kann das Seidengeflecht auch nur locker befestigt auf dem Boden liegen, wo es sich nach Berührung mit einem potentiellen Opfertier löst und sich um die Beute wickelt. Die Werkstoffwissenschaftler der Universität Akron haben nun die Struktur beider Befestigungen näher untersucht. Bei der Flugverankerung sind die Tragleinen der Netze mit feinen Spinnenfäden befestigt, die wie Heftklammern parallel eng zueinander angeordnet sind. Bei großer Beanspruchung reißen hier eher die Seidenfäden, als das sich die Verankerung löst. Bei der zweiten Befestigungsmethode indes verzweigen sich die einzelnen Seidenfäden auf der Substratoberfläche wie Äste und Zweige eines Baumes. Bereits bei geringer Auslösekraft lösen sich die nur leicht fixierten Fäden, die wie aufgezogene Federn unter Spannung stehen. Durch das schnelle Zusammenziehen des Netzes hat kaum ein Beutetier eine Chance, der Falle zu entkommen.

Besonders fasziniert war Vasav Sahni, der Hauptautor der Studie, von der Tatsache, dass die Gewächshausspinne die Variabilität mit nur einer Art Seide verwirklicht, die in derselben Drüse produziert wird: „Die Verankerung ist der Schlüssel, wie man mit nur einem Klebstoff verschieden große Haftstärken erreichen kann.“ Auf der Basis der neu gewonnen Erkenntnisse arbeitet er als Ingenieur beim „Post it“-Hersteller 3M aus St. Paul in Minnesota (USA) bereits an synthetischen Haftmitteln. Während starke Verankerungen Anwendung in der Industrie finden könnten, ist die lockere Befestigung den Forschern zufolge ideal für medizinische Pflaster oder Bandagen, die dann leicht und ohne Schmerzen abgenommen werden könnten. 

laborwelt.de/ml

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