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Mit Heißhunger besser sehen
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Naturgeschichte

Mit Heißhunger besser sehen

Mit Hunger in den Supermarkt? Keine gute Idee, denn jede Leckerei fällt ins Auge und landet prompt im Einkaufswagen. Zebrafischen geht es ähnlich, denn Hunger aktiviert in ihrem Gehirn zusätzliche Nervenzellen. So kann der Fisch potentielle Beute schneller entdecken und die Verfolgung aufnehmen.

Nahrung oder Gefahr? Ein Zebrafisch muss oft schnell entscheiden, ob er Reißaus nehmen oder doch lieber genauer nachschauen will. Doch wenn der Magen knurrt, werden die Fische mutiger – und aggressiver. Das zeigte ein Versuch von Forschern des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie. Die Wissenschaftler ließen computeranimierte Kreise unterschiedlicher Größe durch das visuelle Feld von Fischlarven ziehen. Die Fische verfolgten kleine Punkte als potentielle Beute, während sie größeren Punkten auswichen. Wenn allerdings der Magen knurrte, veränderte sich ihr Verhalten. „Interessanterweise verfolgten hungrige Fische kleine Punkte deutlich häufiger als satte Fische und wichen größeren Punkten seltener aus“, erklärt Alessandro Filosa, Erstautor der Studie. „Hungrige Tiere scheinen somit ein größeres Risiko einzugehen.“

Mithilfe von genetischen Modifikationen und den neuesten Mikroskopie- und Färbemethoden untersuchten die Wissenschaftler dann die Nervenzellaktivität hungriger und satter Fische. Die Ergebnisse zeigen, dass Hunger das Verhalten über mindestens zwei molekulare Signalwege beeinflussen kann. Erstens hemmt Hunger die sogenannte HPA-Achse des neuroendokrinen Systems – dem System, in dem die komplexen Interaktionen zwischen Hormon- und Nervensystem zusammengefasst sind. Zweitens führt Hunger zu einer erhöhten Serotonin-Ausschüttung. Durch diese beiden Effekte reagieren zusätzliche Nervenzellen im Tectum der Fische auf kleine und mittelgroße Punkte. Das Tectum ist die Region im Fischgehirn, in der visuelle Eindrücke mit Verhaltensantworten verbunden werden. Als Konsequenz nehmen hungrige Fische potenziell essbare Objekte verstärkt wahr, da nun mehr Nervenzellen durch sie aktiviert werden – und die Fische verfolgen diese Objekte eher als satte Artgenossen. 

Quelle: Max-Planck-Institut für Neurobiologie

Publikation: Neuron

© laborwelt.de/um

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